Fußball

Die Drohne als Höhepunkt: Fast nur Ärger beim Pflichtsieg

So kommt Österreichs Fußballteam sicher nicht zur Weltmeisterschaft. Vom von ÖFB-Präsident Leo Windtner beschworenen Spirit of Wembley war beim 2:0 (1:0) gegen Moldau in Chisinau nichts zu sehen. Außer dem Tor von Christoph Baumgartner (Bild oben) mit einem 17 Meter-Schuss knapp vor der Pause gab es bis in zur letzten Aktion nach 94 Minuten, in der durch Marko Arnautovic nach einem perfekten Pass von David Alaba der zweite Treffer fiel, fast nur Grund zum Ärger beim Pflichtsieg. Es war ein komisches Match vom Anfang bis zum Ende. Inklusive von Franco Fodas  Aufstellung. Eines ist sicher: Mit einer ähnlichen Leistung gibt es Samstag in Haifa gegen Israel eine Niederlage und das Ende aller leisen Hoffnungen, Dänemark abfangen zu können. Das Team von Willi Ruttensteiner gewann in Torshavn gegen die Färöer 4:0 (2:0), wobei Eran Zahavi wie 2019 beim 4:2 gegen Österreich drei Tore erzielte. Für das vierte sorgte der Ex-Salzburger Munas Dabbur.

Komisch war schon die Aufstellung. Es fehlte David Alaba, weil er beim Training am Dienstag über muskuläre Probleme im Oberschenkel klagte. Dazu Aleksandar Dragovic, einer der besten, wenn nicht der beste, bei der Europameisterschaft. Wegen der notwendigen Rotation bei drei Spielen in sieben Tagen, da er letzte Woche auch bei Roter Stern Belgrad dreimal über die volle Distanz im Einsatz war. Ganz verstand Dragovic das nicht, um es vorsichtig auszudrücken. Dann setzte der Teamchef auf Spieler, die bei ihren Klubs wenig Spielpraxis hatten. Wie Florian Grillitsch, der bei Hoffenheim noch kein Spiel bestritt, wie Konrad Laimer (53 Minuten bei Leipzig), Michael Gregoritsch (91 Minuten bei Augsburg) und Louis Schaub (54 Minuten beim 1. FC Köln). Florian Kainz und Dejan Ljubicic, die in allen drei Bundesligarunden in Köln Startelf standen, blieben draußen. Schaub zählte zu den wenigen, die Akzente setzten, gute Szenen hatten, aber nach der mageren Leistung beim Pflichtsieg war alles noch schwerer nachvollziehbar als vor Anpfiff. Grillitsch, im 4-1-3-2-System die einzige Nummer sechs, war  meilenweit von seinen Leistungen bei der EM gegen die Ukraine und Italien entfernt.

Komisch war bereits das, was vor Anpfiff passierte. Zunächst funktionierte die Tonanlage vor dem Abspielen der Hymnen nicht. Also sangen die rund 30 österreichischen Fans die Hymne, bekamen von den Teamspielern Applaus. Dann klappt es mit der Tonanlage und den Hymnen, aber los ging es trotzdem nicht. Eine Drohne kreiste über dem Stadion. Wer hätte gedacht, dass dies der Höhepunkt des Abends bleiben sollte? Nicht anderes blieb mehr in Erinnerung. Das Match begann mit 30 Minuten Verspätung. In der Zeit zeigte der ORF aus Kopenhagen das Spiel zwischen Dänemark und Schottland, dabei die zwei dänischen Tore nach 14 und 15 Minuten. Beim 2:0 (0:0) blieb es dann auch, der vierte Siege der Dänen, die weiter eine weiße Weste haben, noch kein Tor kassierten.

Österreich brauchte bis zur 45. Minute, um in Führung zu gehen. Weil im Spiel nach vorne das Tempo und die Präzision fehlten, es kaum Torchancen gab. Arnautovic, erstmals seit dem 4:1 gegen Nordmazedonien am 10. Juni 2019 Kapitän, ließ drei aus, die er an guten Tagen nützt. In der zweiten Hälfte änderte sich wenig, wurde nichts besser. Auch nicht durch die Einwechslungen. Nach 62 Minuten kamen Ercan Kara für Gregoritsch und Alessandro Schöpf statt Laimer, der laut Foda schon zur Pause aufhören wollte, was normal nicht zu dem Salzburger passt, nach 77 Minuten ersetzte Kainz den an der Wade leicht blessierten Schaub, nach 82 Stefan Ilsanker Grillitsch und  Alaba den verletzten Baumgartner und bewies in 12 Minuten beim Pass zum zweiten Tor seine große Klasse.

Wen kann man aus der Startelf positiv sehen? Baumgartner und Schaub, die soliden Innenverteidiger Philipp Lienhart und Martin Hinteregger, der meinte: „Wir waren ungefährdet, jeder hat nur das gemacht, was er tun musste. Und dann kommt so etwas raus!“ Arnautovic? Ein schwacher Tag, aber Pass zu Baumgartner vor dem ersten Tor und das zweite erzielt. Natürlich gab es danach die Frage, warm nicht Yusuf Demir eingetauscht wurde. Aber es ist falsch, zu glauben, dass der 18 jährige allein ein verkorkstes Spiel total ändern kann. Und er hat in drei Runden der La Liga auch nur 62 Minuten gespielt. „Ärgerlich, dass uns die Zielstrebigkeit und Entschlossenheit fehlte“, gab Foda zu, „aber es war ein verdienter Sieg!“ Für Samstag kündigte er an, dass die Mannschaft in Haifa ein anderes Gesicht zeigen wird. Hoffentlich behält er recht.

 

 

 

 

 

Foto: FotobyHofer/Agentur Diener/Philipp Schalber.

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