Fußball

Die Reform der Champions League ist vorerst eingebremst

Eigentlich hätte in acht Tagen ein Reform-Gipfel um die Champions League und die zwei Europa-Ligen ab 2024 zwischen UEFA-Präsident Aleksandr Ceferin, Juventus-Boss Andrea Agnelli als Chef der European Club Association, der Vereinigung der europäischen Spitzenklubs und Lars Christer Olsson, dem Präsident der europäischen Ligen stattfinden sollen. Ceferin sagte die Gespräche aber bereits kürzlich ab. Weil er das Gefühl hatte, dass die Beteiligten derzeit nicht bereit für sinnvolle Diskussionen sind. Soll heißen: Es gibt zu viele Widerstände gegen die Pläne der ECA. Nicht nur von den kleineren Ländern, die dadurch zum Handkuss gekommen wären, sondern auch von den europäischen Topligen mit Ausnahme von Italien. Das erkannte auch Ceferin. Man hörte letzte Woche rund um die Auslosungen von Champions und Europa League in Monaco, dass es vor der Europameisterschaft 2020 mit Sicherheit keinen Beschluss über eine  Reform der Europacupbewerbe geben wird. Alles also eingebremst.

Vielleicht präsentierte sich gerade deshalb der österreichische Generalsekretär der europäischen Ligen, Georg Pangl (Bild oben), in etwas lockerer Stimmung, ging bei  er UEFA-Gala im renommierten Nachtklub Jimmy´z als Assistent des Zauberers lächelnd auf die Bühne. Weil er über Monate gemeinsam mit Olsson und dem holländischen Managing Director, Jacco Swart unter der Devise „die Reichen werden immer reicher, die Armen verlieren total den Anschluss“, gegen die Reformpläne der großen Klubs gekämpft hatte, die Champions League ab 2024 nicht mehr so wie derzeit auszutragen, sondern in vier Achtergruppen. Mit mehr Startgarantien für arrivierte Vereine als bisher, was etwa für Österreichs Meister ein Riesennachteil gewesen wäre, weil es für den Meister den Zugang zur Königsklasse noch erschwert hätte. Auch die Europa League darunter hätte ab 2024 nur noch mit  32 Vereinen stattfinden sollen, die neue zweite, die definitiv ab 2021 kommen wird, hingegen ab 2024 mit 64. Und nur dort wären alle Teilnehmer über die nationalen Ligen gekommen, hätte es keine fixen Startplätze gegeben. Die zweite Europaligen sollte in nach regionalen Gesichtspunkten zusammengestellten vier sogenannten „Conferences“ mit je vier Viererligen gespielt werden zusammengestellt werden. Das verriet  dieser Tage Rapids Finanzchef Raphael Landthaler, der sozusagen zur „Reformkommission“ der ECA gehört,  im Rapid-TV beim sogenannte „Future Talk“. Er sieht die Reformpläne weiter als positiv. Ober sich durch die Nähe zu Agnelli einen Vorteil für Rapid verspricht? Die Rechnung kann nicht aufgehen.

Schon das Modell mit der zweiten Europa League mit 32 Klubs in acht Vierergruppen  von 2021 bis 2024 ist für die heimische Bundesliga nicht günstig. Weil die erste Europa League von derzeit 48 auf 32 Klubs reduziert wird, für den Dritten, Vierten und Fünften der Zwölferliga die Qualifikation dafür sicher schwieriger als derzeit wird.  Die Pläne von Agnelli und seinen Vertrauten für die Zeit ab 2024  eingebremst. Dafür fand Pangl genügend Mitstreiter. Auch in Deutschland bei der einflussreichen DFL, in England bei der Premier League und selbst in Spanien bei der La Liga. Als der clevere Ceferin dies erkannte, zog er die Notbremse. Pangl sieht darin einen Teilerfolg, aber realistischerweise nicht mehr. Denn eigentlich kann sich niemand vorstellen, das Agnelli und seine Verbündeten die Reformpläne ganz in der Schublade verschwinden lassen werden.

 

 

 

Foto: EPFL Media.

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