Fußball

Die selbst gewählte Favoritenrolle lähmte Austria

Erstmals in dieser Saison ernannte sich die Wiener Austria vor einem Spiel zum Favorit. Trainer Manfred Schmid wird das nach den Erfahrungen vom 1:1 (0:1) gegen Austria Klagenfurt wahrscheinlich nicht mehr tun. Denn diese selbst gewählte Rolle schien die Austria  lange Zeit zu belasten, ja fast zu lähmen. Daher gab es nicht den vierten Heimsieg hintereinander, sondern das dritte Unentschieden im dritten violetten Saisonduell zwischen Wien und Klagenfurt. Auch im Herbst hatte es in Favoriten ein 1:1 gegeben.

Beim Höhenflug der letzten Wochen gefiel die Austria mit Dynamik, Aggressivität und viel Bewegung. Von dem war diesmal wenig zu sehen. So sehr sich Matthias Braunöder (Bild oben) und Eric Martel auch bemühten, es gelang ihnen nicht, Tempo ins Spiel zu bringen. Das zählt ohnehin nicht zu den Stärken von Alexander Grünwald, der zur Pause in der Kabine blieben. Die Heimmannschaft wirkte behäbig und pomadig. So war es für die Kärntner in den ersten Hälfte mit Viererabwehr und zwei Sechsern davor (Turgay Gemicibasi und Christoph Cvetko) kein Problem, nicht unter Druck zu kommen. Ein abgefälschter Schuss von Florian Jaritz nach 28 Minuten sorgte sogar für die Führung, die fast eine halbe Stunde hielt.

Die meisten Ballaktionen bei der Austria hatte Innenverteidiger Lukas Mühl. Kann durchaus sein, dass dies von Klagenfurts erfahrenem Trainer Peter Pacult beabsichtigt war. Denn es gab keine Versuche, Mühl zuzustellen, er wurde als einziger auch nicht attackiert, wenn er den Ball hatte. So als hätte man geahnt oder gehofft: Egal, was er tut, er kann uns nicht weh tun. Und so war es auch. Entweder Pass in die Breite oder Versuche, mit „Chips“ nach vorne ins Zentrum eine Lücke zu finden. Fast alle scheiterten, der Ball kam meistens zu einem der Kärntner Defensivspieler. Durchbrüche über außen hatten  Seltenheitswert. Einer über den zur zweiten Hälfte gekommenen Can Keles leitete die Aktion zum Ausgleich ein. Die der mit Absicht „ergraute“ Marco Djuricin vollendete. Sein neuntes Saisontor war das einzige, was Austrias Steigerung nach der Pause ergab. Danach aber keine großen Siegeschancen, obwohl Klagenfurts Offensive nicht mehr stattfand. Sportchef Manuel Ortlechner gestand bereits vor Anpfiff auf „Sky“, an einer Rückkehr von Zlatko Junuzovic, der bei Salzburg keinen Vertrag mehr erhält, interessiert zu sein. Ein Spieler wie er fehlte beim zweiten Unentschieden hintereinander. Etwa viereinhalb Stunden nach dem Ortlechner-Interview  bestätigte Junuzovic bei seinem Kurzeinsatz für Salzburg mit dem Siegestor gegen Rapid.

„Mehr haben wir nicht verdient. Wir waren vor der Pause nicht schwer zu verteidigen“, gestand Schmid. Mit Vorsicht zu genießen blieb auch die Zuschauerzahl. Offiziell 11.393, die Anzahl der Karten, die im Rahmen einer Mitgliederaktion ausgegeben wurden. Aber nicht die der Besucher, die trotz Kälte gekommen waren. Die Austria hielt trotz der Enttäuschung Platz drei, aber der Rückstand auf den Zweiten Sturm Graz wuchs auf drei Punkte. Denn die Steirer gewannen in Wolfsberg 2:0 (1:0), wobei der Ex-Austrianer Manprit Sarkaria mit seinem elften Saisontreffer und Rasmus Höjlund für die Tore und drei Punkte sorgten. Somit war Klagenfurts 1:1 der bisher einzige Punkt, den die Kärntner Klubs in der Meisterrunde eroberten. Wolfsberg verlor dreimal, liegt sechs Punkte hinter Sturm und drei hinter Austria.

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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