Fußball

Egal, wie der neue Teamchef heißt: Es wird nicht nur Beifall geben

Montag Abend wird feststehen, wer nach sechs Jahren Marcel Koller sein Nachfolger als Österreichs Teamchef  wird. Egal, wen das Präsidium das Fussballbundes nach Vorschlag von ÖFB-Präsident Leo Windtner und der Task Force bestehen aus Sportchef Peter Schöttel, Generalsekretär Thomas Hollerer, Geschäftsführer Bernhard Neuhold und Bundesliga-Vizepräsident Markus Kraetschmer, dem Vorstand der Asrria-AG,  auswählt, es wird  für den Neuen nicht nur Beifall geben. Egal, ob er Franco Foda (Bild oben), Andreas Herzog ,Werner Gregoritsch, Thorsten Fink etc. heißt. Der letzte, bei dem es keine Einwände gab, hieß Ernst Happel, an dessen 25. Todestag der neue Teamchef am 14. November gegen Uruguay seinen Einstand feiern wird.

Die mögliche Kritik wird  schon bei der  Zusammensetzung der  Task Force beginnen, aus der sich Kraetschmer Freitag zurückzog, weil Austrias Trainer Fink zu den letzten vier Kandidaten zählt. Bereits bei der Bestellung Schöttels wunderten sich einige Bundesligaklubs, gar nicht zu ihrer Meinung befragt worden zu sein, bevor die Liga ihre Stimme für die grün-weiße Ikone abgab. Sein Ex-Klub Rapid zählte übrigens zu den Vereinen, die nicht kontaktiert wurden. Schöttel erklärte bei seiner Präsentation dezidiert,  eine österreichische Lösung zu bevorzugen, aber auch mit einer ausländischen leben zu können. Wenn also nach sechs Jahren Pause kein Österreicher Teamchef wird, dann muss man die bisher mit Eigenlob überhäufte Trainerausbildung des ÖFB hinterfragen. Zum zweiten Mal in sechs Jahren keinen teamchefwürdigen Trainer zu finden, stellt alles in Frage. Der Hinweis auf Peter Stöger, Ralph Hasenhüttl und Adi Hütter, die nicht zur Verügung stehen, reicht nicht als Argument. Eine qualitativ hochwertige Trainerausbildung müsste doch mehr als drei hervorbringen, denen man zutraut, auch als Teamchef erfolgreich zu sein.

Ein Ja  zu einem Ausländer würde  auch Schöttel schon nach drei Wochen Amtszeit beschädigen. Wenn er schon bei seinem ersten „Härtest“ seine Argumente nicht durchbringt, bedeutet dies, dass er noch keinen hohen Stellenwert hat. Eigentlich müssten ja alle, die ihn wählten, egal ob Landesverbandspräsidenten oder Liga, auch seiner österreichichen Lösung folgen. Franco Foda als eine zu verkaufen, weil er nunmehr schon acht Jahre Sturm Graz erfolgreich trainiert, mit den Steirern 2010 den Cup gewann, ein Jahr später auch den Meistertitel holte, wird nicht sehr glaubwürdig klingen. Die Einwände, die man gegen den 51jährigen, in Mainz geborenen Foda, dessen Vater aus Venedig kommt, haben könnte, liegen in seiner zweiten bisherigen Trainerstation. Dass er Sturm kann, hat Foda  mehrmals bewiesen. Aber mit der Mission, Kaiserslautern zurück in die erste Liga zu führen, war er bei seinem Zweijahresvertrag, der bis zum 30. Juni 2014 gelaufen wäre, gescheitert. In der ersten Saison verpasste Kaiserslautern den Aufstieg erst in der Relegation gegen  Hoffenheim, in der zweiten zog der damalige Sportchef Stefan Kuntz, jetzt Deutschlands erfolgreicher U21-Teamchef, schon nach fünf Runden die Reißleine. Obwohl Kaiserslautern damals auf Platz vier stand. Foda fand dies mitten in einer Entwicklungsphase, in der Kaiserslautern in seinen 14 Monaten 23 (!) neue Spieler verpflichtete, zumindest merkwürdig.  Er bezeichnet seinen Stil als kommunikativ, kooperativ, aber deutlich in der Ansprache – bei Kaiserslautern empfanden das einige zu deutlich. Da stand auch von einem völlig zerrütteten Verhältnis zur Mannschaft als Entlassungsgrund zu lesen. Foda versichert, in den Medien sei viel Unwahres verbreitet worden. Fakt ist, dass es ohne Foda schlechter wurde. Aktuell kämpft der Traiditionsklub gegen den Abstieg in die dritte Liga, steht finanziell am Abgrund.

Wenn das Präsidium sich aber dagegen entscheidet, Foda so wie 2011 nicht aus seinem Vertrag bei Sturm Graz herauszukaufen, ebenso wenig  für Fink der Austria eine sechsstellige Summe zu überweisen, sondern einen Österreicher zu präsentieren, folgt mit Garantie nicht nur Applaus. Bei Rekordteamspieler Andi Herzog, den die Rapid-Fans Samstag in Sprechchören forderten,  kommt sicher die unselige und lächerliche „verhabert“-Variante aus der Schublade, weil er früher mit Schöttel erfolgreich zusammenspielte, die gekünstelten Bedenken, dass er noch nie eine Klubmannschaft trainierte. Ltzte Woche gab es ein Gespräch zwischen Schöttel und Herzog. Der Koller-Nachfolger wird am 6. November kein leichtes Amt antreten, obwohl er ein Spielermaterial zur Verfügung  hat, in dem viel mehr Potenzial steckt als es die Ergebnisse seit 2016  ausdrücken. Er muss „nur“ an einigen Schrauben drehen, um mit den entsprechenden Ergebnissen mehr Kredit als zu seiner Bestellung zu bekommen.

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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