Fußball

Horvath und Ljubic sind eine Watschen für die Austria

So stolz wie ein Vater auf eine Söhne, die gerade die Matura geschafft haben. So fühlte sich Werner Gregoritsch nach dem 2:0 seiner U21-Söhne zum EM-Auftakt gegen Serbien. Seine Söhne Mathias und Michael jubelten auf der Tribüne mit ihrer Mutter. Michael wird wahrscheinlich auch registriert haben, dass Kevin Danso bei seinem Vater wesentlich souveränen agiert als er ihn von gemeinsamen Spielen bei Augsburg gewohnt ist. Oder ihn Teamchef Franco Foda beim Nationalteam erlebte. Foda staunte  auch über einen ehmaligen Schützling aus Sturm Graz-Zeiten, lobte Sascha Horvath (Bild oben) als überragend. Wie zur Bestätigung gewann der mit 1,67 Metern kleinste Spieler der Europameisterschaft auch die Wahl zum „Man of the match“.

Gregoritsch und Horvath, das ist eine besondere „Beziehung“, die der Teamchef auch gar nicht verschweigt. Ihm schenkt er das Vertrauen. Egal, wie schlecht für Horvath beim Verein auch lief: „Ein Künstler, auf den ich steh“, sagt Gregoritsch, „wenn er stark spielt, sind auch wir als Mannschaft stark.“ Wie gegen Serbien, wie zuvor beim 3:1 im Test gegen Frankreich. Der herausragende Horvath bedeutet ebenso wie der starke Mittelfeldabräumer Ivan Ljubic eine Watschen für die Wiener Austria. Denn beide kommen aus dem violetten Nachwuchs, was für gute Arbeit spricht, mit beiden wusste die Austria aber nichts anzufangen. Bei der Europameisterschaft ist die Austria nur mit Patrick Pentz und dam nachnominierten Petar Gluhakovic auf der Bank vertreten. Mit keinem in der Stammelf. Auch für Rapid bedeutet es kein Kompliment, dass mit Sandro Ingolitsch zwar ein Spieler von St.Pölten erste Wahl ist, aber kein Grün-Weißer. Dejan Ljubicic, für Gregoritsch der technisch beste seiner zentralen Mittelfeldspieler, kam für die letzten 20 Minuten, als der starke Ex-Rapidler Philipp Lienhart schon spürte, dass sein Motor nicht mehr so auf Hochtouren lief wie er das gerne wollte.

Warum nur warum wurde das für Horvath und Ljubic nichts bei der Austria? Horvath will nicht mehr nachkarten, weil das schon zu lange zurück liegt. Eigentlich nur vier Jahre. Aber der bei Violett als „Zaubermaus“ gefeierte Mittelfeldspieler sagt, dass ihm Sturm im Vergleich zur Austria sehr gut tat und half. Horvath, der schon in der U 17 bei je einer Europa-und Weltmeisterschaft spielte, mit der U 19 bei zwei Europameisterschaften, hat deutsche Berater. T21 plus heißt die Hamburger Agentur, hinter der mit Jürgen Milewski ein früherer Spieler des Hamburger SV steht, der dort zu Ernst Happels Truppe gehört,die den Europacup der Meister gewann. Und mit Jens Jeremies ein frühere deutscher Teamspieler von Bayern München, der zuvor bei Dynamo Dresden groß wurde. Der Wechsel von Horvath vor zwei Jahren zu Dynamo Dresden um 400.000 Euro Ablöse geht auch auf das Jeremies-Konto. Aber der Plan ging nicht auf. Bisher nur 20 Spiele in der Knochenmühle der zweiten Liga, je ein Tor und Assist. Daher im Winter zu Wacker Innsbruck, um Spielpraxis zu bekommen. Nach der Europameisterschaft folgt ein neuer Anlauf in Dresden. Mit Trainer Cristian Fiel telefonierte er am Tag vor der Gala gegen Serbien, mit Sportchef Ralf Minge steht er auch ständig in Kontakt. Der Vertrag läuft noch zwei Jahre.

Lächelnd erzählte er in der Mixed Zone von seinem Stangenschuss vor Österreichs Führung, von seinem Freistoß zum 2:0, seinem ersten Tor seit September 2017. Davor will er auf die Tribüne zu seinem Vater  Roman, einem ehemaligen Spieler von Mattersburg und dem FAC geblickt und erkannt haben, dass ihn der zum Schießen aufforderte. Mitspieler Max Ullmann riet ihm, das kurze Eck anzuvisieren, er entschied sich für das lange und lag damit richtig: „Wir müssen am Boden bleiben und versuchen, den Lauf auszunützen“, meinte Horvath. Einen kreativen Spieler wie ihn könnte die Austria jetzt sehr gut brauchen. Sie hat auch keinen Sechser, der so strategisch und abgeklärt spielt wie Ivan Ljubic. Auch ihn ließ Austria so wie Horvath 2015 ziehen. Der nunmehrige Sportchef Ralf Muhr war damals Nachwuchsleiter. Der damals 19jährige Ljubic wechselte zu Horn. Zwei Jahre später verpflichtete ihn Sturm Graz-Sportvorstand Günter Kreissl, verlieh ihn für eine Saison in die zweite Liga nach Wr.Neustadt. Ein Jahr später ging´s hinauf in die Bundesliga zu Hartberg. Im Winter beorderte ihn Kreissl nach Graz. Wie Horvath vertraut Ljubic einer deutschen Agentur. Der mächtigen Rogon von Roger Wittmann. Deren prominentester Klient: Robert Firmino, Stürmerstar von Champions League-Sieger FC Liverpool.

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