Fußball

„Mourinho machte Tottenham vom netten zum unangenehmen Klub“

Wenn der Tabellenführer der englischen Premier League in Linz gastiert, dann bedeutet das eine optimale Spielwiese für Johnny Ertl. Da wird der 38 jährige schon auf Grund seiner achtjährigen England-Vergangenheit bei Crystal Palace, Sheffield United und Portsmouth, wo er nach der aktiven Karriere auf Wunsch der Fans in den Vorstand kam, bei der Live-Übertragung von LASK-Tottenham auf Puls 4 am Donnerstag Abend wie seit Jahren interessante Details liefern. Von der Gugl, live vor Ort, wenn Tottenham mit einem Unentschiden den Aufstieg fixieren kann. Ertls Befürchtung im Vorfeld: Die Sperre von Kapitän und Abwehrchef Gernot Trauner wird den LASK vor große Probleme stellen. Auch weil mit Petar Filipovic ein zweiter Innenverteidiger ausfällt.

Der LASK braucht Punktzuwachs gegen Tottenham, um die Mini-Chance auf Platz zwei und den Aufstieg am Leben zu erhalten. Für Ertl ein sehr schwieriges Unterfangen: „Früher war Tottenham ein netter Klub. Jose Mourinho machte ihn zu einem für die Gegner sehr unangenehmen!“ Am 20. November 2019 übernahm der portugiesische Trainerstar den kriselnden Traditionsklub auf Rang 14. Fünf Monate zuvor hatte er das Champions League Finale gegen Liverpool in Madrid „nett“ 0:2 verloren. Nach einem Jahr Mourinho ist Tottenham heißer Titelkandidat in Premier und Europa League. Weil Mourinho im Gegensatz zu seinen früheren Stationen bei Manchester United und Chelsea das uneingeschränkte Vertrauen der Cheftage hat, wie Ertl weiß. Präsident Daniel Levy ermöglichte ihm seine Wunschtransfers. Die kosteten immerhin 110 Millionen Euro.

Es kamen nur Mentalitätsspieler, weil Mourinho seinen Kader als zu weich empfand. Er holte für die Abwehr Matt Doherty, Joe Rodon und Sergio Reguilon von Wolverhampton, Swansea und Real Madrid, den bei Ralph Hasenhüttls FC Southampton oft wegen zu harter Spielweise kritisierten dänischen Mittelfeldspieler Pierre Emile Höjbjerg, den portugiesischen Schützenkönig Vinicius von Benfica, Flügelflitzer Gareth Bale als Heimkehrer von Real Madrid nach sieben Jahren und überraschend Englands 33 jährigen Ex-Teamkeper Joe Hart von Burnleys Ersatzbank. Mit dem speziellen Auftrag, die zu ruhige Kabine aufzurütteln.

Scheint gelungen zu sein. In den neun Runden nach der 0:-1-Startniederlage gegen Everton am 13. September an der White Harte Lane verlor Tottenham nie. Es gab aber noch ein 0:1, auf das Mourinho mit harter Hand reagierte: Nach der Pleite in der Europa League bei Royal Antwerpen am 29. Oktober sprach er eine Woche nicht mit seiner Mannschaft. Sortierte mit Dele Alli einen englischen Teamspieler aus, kritisierte ihn öffentlich als zu faul. Auch für Routinier Danny Rose hat Mourinho keinen Platz. Eines wusste Ertl ganz bestimmt: Mourinho wird in Linz seine Stammbesetzung in der Offensive mit Topstars wie Harry Kane, Heung Min Son und den Holländer Steven Bergwijn nicht bringen. Die hebt er sich für das London-Derby am Sonntag gegen Rapids Gegner Arsenal auf. Auf der Gugl bekommen die klingenden Namen, die letzten Sonntag beim 0:0 gegen Chelsea nur kurz oder gar nicht spielten, die Chance, ihren gestrengen Trainer zu überzeugen: Der Kolumbianer Davinson Sanchez in der Abwehr, im Mittelfeld der Argentinier Giovani Le Celso, Dele Alli, der Brasilianer Loucas Moura, vorne Bale. Ertl kennt sich aus: Kane sass Mittwoch nicht im Flugzeug nach Linz. Ebenso der belgische Abwehrspieler Toby Alderweireld, Reguillon, der Argentinier Erik Lamela und Vinicius. Laut Mourinho sind sie alle verletzt. Trotzdem könnte es passieren, dass die LASK-Abwehr ähnlich schlecht aussieht wie beim 0:3 in London. Speziell ohne Trauner: „Wie sehr er fehlt, hat man gesehen, als der LASK ohne ihn gegen Rapid 0:3 verlor“, erinnerte sich Ertl zurück.

Stichwort Rapid. Für Grün-Weiß sieht Ertl gegen Arsenal fast mehr Land als für den LASK gegen Tottenham. 60.000 Zuschauer könnten ins Emirates Stadium, Donnerstag wird es leer sein: „Trotzdem ein Traum für jeden Rapidler, dort zu spielen“, prophezeite Ertl, „von Heimstärke war bei Arsenal in der Premier League wenig zu sehen“. Das gab es zuletzt drei Heimniederlagen – 0:1 gegen Leicester, 0:3 gegen Aston Villa, 1:2 gegen Wolverhampton. „Rapid gewann bei der 1:2-Heimniederlage gegen Arsenal einige Sympathien. Das könnte in London noch einmal gelingen“, glaubte Ertl. Schon als Spieler hatte er stets lieber positiv gedacht.

Foto: UEFA, Puls 4/Jan Frankl.

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