Fußball

Neuer Tormann, neues „Schienbein-Glück“ für Austria

Noch kein Meisterstück für Titelverteidiger Red Bull Salzburg. Auch er verpatzte wie am Abend davor Rapid die Generalprobe für das Finale des Uniqa-Cups am Mittwoch in Klagenfurt, bezog mit dem 1:2 (0:1) in Wolfsberg die erste Niederlage in der Meisterrunde. Die das erste Bundesligator von Marcel Ritzmaier nach dem Ausgleich des eingewechselten Fredrik Gulbrandsen fixierte. Diesmal gelang es nicht wie  vier tage zuvor in Salzburg die drohende Niederlage gegen die Kärntner durch ein fulminantes Finish zu verhindern. „Wir haben nicht so gespielt, um uns den Sieg zu verdienen“, gab Trainer Marco Rose, der Torjgäer Munas Dabbur draussen ließ, zu, „da haben die Basics gefehlt.“ Auswirkungen auf das Klagenfurter Endspiel sah er keine: „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen.“ Stichwort Gulbrandsen: Der Vertrag des Norwegers läuft aus, in deutschen Medien stand bereits zu lesen, dass er ablösefrei Rose zu Mönchengladbach folgen wird. Unter diesem Aspekt muss man eine Personalie sehen, die Sportchef Christoph Freund in Wolfsberg bekanntgab: Der in die zweite deutsche Liga an den Hamburger SV verliehene südkoreanische Teamstürmer Hee Chan Hwang kommt im Juli nach Salzburg zurück. Vielleicht auch Sedou Koita, der im Wolfsberg-Dress zweimal gegen seinen „Besitzer“ überzeugte.

Salzburg wäre auch mit der verdienten Niederlage fix Meister geworden, hätte der LASK auch in Graz gegen Sturm verloren. Danach sah es auch zur Pause aus, als Sturm 2:1 führte, doch auf der Busfahrt zurück in die Festspielstadt sahen die Salzburger, wie der LASK mit einer starken, mutigen zweiten Hälfte das Match noch drehte, mit Hilfe von Sturms Tormann Jörg Siebenhandl beim Ausgleich von Peter Michorl und durch den ersten Treffer des gebürtigen Salzburger Thomas Goiginger nach sechs Runden das Match drehte, mit 3:2 den ersten Sieg nach fünf Runden feierte. Damit hat Salzburg für die letzten vier Runden „nur“ neun Punkte Vorsprung auf die Linzer, die mit dem Kraftakt verhinderten, dass der Kampf um Platz zwei gegen den Salzburg-Bezwinger aus Kärnten eng wurde. Es blieb vor dem direkten Duell in Pasching bei sechs Zählern Vorsprung auf Wolfsberg und der großen Chance, erstmals in der Qualifikation für die Champions League zu spielen.

Die nächste Chance für Salzburg auf die offizielle Bestätigung des sechsten Titels hintereinander: Nächsten Sonntag bei der Austria, die  mit dem glücklichen 2:1(1:1) in St.Pölten den ersten Sieg unter Interimstrainer Robert Ibertsberger und in der Meistergruppe feierten. Damit lebt die Mini-Chance auf den Europacupplatz: Violett gab die rote Laterne an St.Pölten ab, holte Sturm Graz ein. Aber so erleichtert die Austrianer in St.Pölten vor ihren Fans die drei Punkte feierten, um nach Europa zu kommen, werden sie in den nächsten drei Runden besser spielen, sogar über sich hinauswachsen müssen. Gegen den Tabellenführer, in Graz gegen Sturm, obwohl Roman Mählichs Mannschaft die bisherigen drei Heimspiele in der Meistergruppe verlor, daheim gegen den Überraschungsdritten Wolfsberg, der je vier Punkte Vorsprung auf seine drei Verfolger hat. Aber die Erleichterung war verständlich

Vor der es sechs Umstellungen im Vergleich zum 2:2 vom Mittwoch gab. Die interessante: Der Tormannwechsel. Patrick Pentz musste dem elf Zentimeter größeren Ivan Lucic weichen. Ein Signal von Ibertsberger, dem 1,94 Meter-Riesen sein Pflichtspieldebüt bei Austria feiern zu lassen. Zuvor stand Lucic nur einmal in der Bundesliga zwischen den Pfosten: Vor fünf Jahren bei Ried in der letzten Runde, als er fünf Tore kassierte. Dann begannen seine Wanderjahre zu Bayerns Amateuren, nach Dänemark zu Aalborg und England zu Bristol. Nirgends konnte er sich durchsetzen, bei Bayern passte dem gestrengen Trainer Hermann Gerland die Einstellung von Lucic gar nicht. Das Ligadebüt bei Austria gelang. Mit zwei guten Reaktionen trug er zum Sieg  etwa dabei.

Der Wille der Austria zum Sieg war zum Unterschied von den letzten  Runden unübersehbar. So kam sie zu den ersten zwei Chancen, geriet aber wieder unglücklich in Rückstand. Als Florian Klein von einem Schuss aus kurzer Distanz von Manuel Haas am Arm getroffen wurde, gab es einen umstrittenen Elfer. Absicht von Klein war hundertprozentig keine dabei, er drehte sich sogar weg. Ex-Rapidler Rene Gartler schickte beim Elfer Lucic ins falsche Eck. Austria ging trotz Chancenplus mit einem Rückstand in die zweite Hälfte, musste sich dann bei St.Pöltens Kapitän im Tor, Christoph Riegler, bedanken, dass er sich bei einer Flanke von Alon Turgeman verflog. Kapitän Alex Grünwald traf aus kurzer Distanz ins leere Tor zum Ausgleich. Alles sah schon nach 1:1 aus, als in der Nachspielzeit Haas im Strafraum Michael Madl am Knie traf. Korrekter Elferpfiff. Turgeman schoss halbhoch und schwach, Riegler wehrte ab, der Ball kam zu Madl, der in die Mitte zu Klein spielte, der sofort schoss. Nur das linke Schienbein von Turgeman traf, von dem der Ball über die Linie sprang. Das späte „Scheinbein-Glück“ zum sechsten Saisontor des Israelis, zum letztlich doch verdienten Happy End mit der letzten Aktion nach 94 Minuten.

„Das bringt uns einen Schub nach vorne“, prophezeite Madl. Ibertsberger machte seiner Mannschaft ein Kompliment, weil sie bis zur letzten Minute nach vorne spielte, immer an den Sieg glaubte: „Wir dürfen aber nicht zu euphorisch werden. Es war nur ein Sieg. Nicht mehr, wir hängen noch immer hinten drinnen.“ Da widersprach ihm via Sky Alfred Tatar energisch: „Die Austria raucht doch nächste Runde gegen Salzburg sogar eine wahre Euphoriewelle.“ Beide Meinungen haben etwas für sich.

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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