Fußball

Steffens Abschiedstränen: Es schaut nach schlechtem Rapid-Gewissen aus!

Mittwoch, bei der Privataudienz beim Papst in Rom, stand der grün-weiße Fußballgott meistens in der zweiten Reihe. Ganz bescheiden, wie es nun einmal seine Art ist. 24 Stunden später gehörte Steffen Hofmann die Bühne allein, als er das Ende seiner Karriere mit Saisonende verkündete. Keine große Überraschung mehr. Der noble Rahmen, den ihm Rapid dafür im Stadtpark-Kursalon dafür gab,  zeugt auch etwas von dem schlechten grün-weißen Gewissen, das  eigentlich einige haben müssten für das, was ihm in seiner letzten aktiven Saison alles angetan wurde. Angefangen vom Präsidenten, der es nicht zulassen hätte dürfen, wie Trainer und Sportchef mit einer Ikone,die eine Bilanz für die grün-weiße Ewigkeit aufweist, in 16 Jahren bisher 539 Pflichtspiele für Rapid bestritt, dabei 127 Tore erzielte, gefühlte hunderte Assists lieferte, umging. So etwas ist auch mit einem gebührenden Abschied  nicht mehr gutzumachen. Im Herbst 2015 gehörte Steffen Hofmann bei Rapids bisher einzigem Gruppensieg in der Europa League zum UEFA-Team der Vorrunde. Und der Zahn der Zeit hat garantiert nicht so an dem inzwischen 37jährigen genagt, dass er Rapid nicht hätte helfen können, besser dazustehen als vor den letzten zwei Runden im Kampf um Platz drei.

Hofmanns erste Abschiedsrede war berührend. Nicht nur wegen der Tränen, die dabei bei ihm flossen, als er sich bedankte. Vor allem bei seiner Familie. Beim „Geständnis“, dass seine zwei Töchter und der Sohn noch vor seiner Frau und Rapid kommen. Beim Dank an seine Eltern, die ihm seine Karriere ermöglichten. Bei allen bei Rapid, explizit auch bei allen Trainer, selbst Goran Djuricin, der ihn  viel zu oft grundlos auf die Tribüne verbannte. Zwei Personen strich er aber heraus: Rudi Edlinger, seinen ersten Präsidenten bei Rapid, der ihm sozusagen  allein im Sommer 2006 nach einem nicht geglückten Abstecher zu 1860 München nach Hütteldorf zurückholte, als der damalige Sportchef Peter Schöttel nicht unbedingt Feuer und Flamme dafür war. Und bei seinem ersten Trainer in Hütteldorf, bei Josef Hickersberger, für den damals 22jährigen Steffen wie eine Vaterfigur, der ihn nach seiner ersten Saison gleich zum Kapitän bestimmte. Der 2005 und 2008 den Meisterteller in die Höhe hielt. Die meisten Spiele unter einem seiner acht Rapid-Trainer bestritt er in Peter Pacults Ära. Da war er auch einmal Schützenkönig der Bundesliga.

Ey war kein Zufall, das bei diesem Event im Kursalon auch der Capo der Fantribüne die Bühne betrat.  Hofmann gestand, dass es nichts schöneres für ihn gab, als für diese Fans, für diese Verein jubeln zu können. Und es war vielleicht einer seiner größten Leistungen für Rapid, die Demütigungen in dieser Saison kommentarlos hinzunehmen. Ein Wort von ihm hätte gereicht und diese Fans wären für ihn auf die Barrikaden gegangen. Es gab diese Pläne ohne sein Zutun. Als Hofmann davon Wind bekam, stoppte er sie. Er lebte sein Motto, wonach der Verein das größte ist, beispielhaft vor.  So ertönten nur jedesmal, wenn er in dieser Saison begann, sich für einen Kurzeinsatz bereit zu amchen, die „Steffen Hofmann Fusballgott“-Sprechchöre.

Die werden am Abend des 22. Juli, eine Woche nach dem WN-Finale in Moskau, besonders laut sein, Beim offizeillen Abschiedsspiel. Zwischen Rapid und Steffen & Friends.  Wer seine Freunde sind, kann Hofmann selbst bestimmen. Aber es werden vor allem die Spieler aus beiden Meistertruppen sein. Das wird ein bewegender Abend werden, bei dem er selbst je eine Hälfte für Rapid und bei seinen Freunden spielen wird. Wer die sind, bestimmt er. Owen Hargreaves, der Kumpel zu Bayern-Amateurzeiten, später englischer Teamspieler und Millionenstar bei Manchester United, Taufpate der älteren Hofmann-Tochter, wird garantiert dabei sein. Vielleicht auch Deutschlands Weltmeisterkapitän Philipp Lahm, mit dem er damals ebenfalls zusammenspielte. Fixstarter werden Spieler aus Rapids Meistermannschften, von denen die erste 2005 auch die Qualifikation für die  Champions League geschafft hatte, mit Hofmann sein.  Von Ladi Maier, Helge Payer, Martin Hiden, Ferdinand Feldhofer,  Jozef Valachovic, Peter Hlinka, Stefan Kulovits, Marek Kincl, Rene Wagner bis zu Markus Katzer Veli Kavlak, Ümit Korkmaz, Markus Heikkinen, Mario Bazina, Jimmy Hoffer oder Stefan Maierhofer. Ob auch Andi Ivanschitz, mit Hoffmann das prägende Mittelfeldduo der Meistermannschaft 2005 eingeladen wird?  Er verließ im Jänner 2006 gemeinsam mit Hofmann Rapid. Gilt sei damals als Buhmann der Fantribüne, weil er zu Red Bull Salzburg gewechselt war. Sogar als er  ein Jahr später mit Österreichs Nationalteam in Hütteldorf spielt.

Hofmann wurde ein halbes Jahr später mit offenen Armen weder sehnsüchtig zurück erwartet. Das wird ein bewegender Abend. Die Karten auf den Tribünen hinter den Tore kosten nur elf Euro. Hat wohl mit Steffens Rückennummer elf zu tun, die Rapid in den nächsten elf Jahren nicht mehr vergeben wird. Hofmanns Zukunft hat schon diese Saison begonnen. Als Talentemanager, als ihr Ratgeber am Weg nach oben. Er begeistere so manche grün-weiße Zukunftshoffnung in Vieraugengesprächen. Aber das ist nur eine Zwischenstation. Es ist wie das Amen im Gebet, dass Steffen Hofmann der nächste Sportchef Rapids wird, wenn Fredy Bickels Ära zu Ende geht. Egal, ob und wer das plant, sich das auf seine Fahne schreiben will, das ist so. Der einzige, der das verhindern könnte, ist Steffen selbst. Wenn er das nicht will. Aber danach sieht es zum Glück für Rapid nicht aus.

 

Foto: © SK RAPID WIEN MEDIA.

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