Fußball

Trotz glücklichem 3:1 rumort es in der Rapid-Welt

Rapid fliegt nächsten Mittwoch mit zwei Toren Vorsprung zum Play-Off-Retourspiel gegen  FCSB  Bukarest in die rumänische Hauptstadt. Das 3:1 (2:0) macht Hoffnung, zum siebenten Mal die Gruppenphase zu erreichen. Aber es rumort in der grün-weißen Fußballwelt. Der Fanblock West machte zunächst mit verteilten Flugblättern oder offenen Briefen, je nach dem wie man es nennen mag, gegen Trainer Goran Djuricin und auch gegen das Präsidium, aber nicht gegen Sportchef Fredy Bickel  Stimmung, dann knapp vor der Pause trotz 2:0-Führung und einer bis dahin starken Leistung auch völlig unpassend und nicht nachvollziehbar mit Sprechchören und Transparenten auf denen stand: „Wenn das Präsidium schweigt, muss die Kurve lauter werden.“ Und dann noch dreimal quer über die Tribüne „Gogo raus.“ Dass sich der Trainer nachher zum Unterschied von der Mannschaft nicht zum Fanblock für die Unterstützung bedanken ging, das liegt auf der Hand. Alles andere wäre geradezu pervers gewesen. Auch, dass er nachher aus Respekt vor seinen Siegern nichts dazu in die ORF-Mikrofone sagte, war die richtige und bessere Antwort als Bickels verbaler Slalom, bei dem er aber zugab, dass auch er sich dadurch angegriffen fühlte.

In den verteilten Flugblättern  wies der Fanblock auf die mangelnde Fußballkompetenz des Präsidiums hin, meinte andererseits, man wolle selbst nicht in die Expertenrolle schlüpfen, nur auf offensichtliche Missstände hinweisen. Irgendwie passt das nicht zusammen, widerlegte auch die Meinung von Präsident Michael Krammer, wonach nicht der Fanblock das Problem sei, sondern die Längstribünen. Von den anderen drei Tribünen im Allianz-Stadion ertönten nämlich bei der Aktion gegen Djuricin Pfiffe. Geholfen hat es Rapid nicht, dass der Fanblock eine vorbereitete  Aktion unter allen Umständen durchzog, auch wenn die zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht passte. Die Wiederholung wurde für Sonntag in der Bundesliga gegen Wacker Innsbruck angekündigt, wenn der Fanblock sein 30jähriges Bestehen mit einer Choreographie feiern will.

Die Choreographie war auch Donnerstag Abend beeindruckend, ebenso die Unterstützung der Mannschaft. Aber die schien durch die Aktion kurz vor der Pause irritiert, verlor danach eigentlich den Faden, brauchte Glück und einen starken Richard Strebinger im Tor, um vor den Augen von Franco Foda den Zweitorevorprung zu halten, In der ersten Hälfte spielte Rapid viel besser als in der Bundesliga, bestätigte sich Christoph Knasmüllner (Bild oben) wieder als neuer „Mister Europacup“, der in den Spuren von Louis Schaub aus früheren Jahren wandelte. Er brauchte nicht einmal 60 Sekunden länger als bei seinem Dreierpack gegen Slovan Bratislava, um für die schnelle Führung zu sorgen. Nach einem perfekten Konter, der von Marvin Potzmann ausging, über Thomas Murg bis zu Knasmüllner ging. Er bereitete nach 39 Minuten  auch das 2:0 durch einen Eckball vor. Mario Sonnleitner löste sich im Zentrum, verwandelte per Kopf, Bis dahin hätte Rapid auch höher führen können, aber Deni Alar scheiterte zweimal an hervorragenden Reaktionen des rumänischen Tormanns Cristian Balgradean,

Nach der Aktion des Fanblocks lief nichts mehr wie vorher. Auch wenn es nachher keiner zugab, natürlich beschäftigte das alle Beteiligten. Gleich nach der Pause verhinderte Strebinger gegen Florinel Coman das Anschlusstor, das gleich darauf doch fiel, weil Sturmtank Harlem Gnohere Mateo Barac entwischte. Zum Glück für Rapid fiel eine Minute später das 3:1, als Rapid-Kapitäns Stefan Schwab die einzige missglückte  Abwehr Balgradeans ausnützte. Apropos Schwab: Er schien nicht im Vollbesitz seiner Kräfte zu sein, verschenkte viel zu viele Bälle, um eine ordnende Hand zu sein. Der wichtigste Mann im Zentrum hieß lange Dejan Ljubicic. Im Finish ganz klar Strebinger. Denn ab der 70. Minute  waren die spielerisch starken Rumänen ihrem zweiten Tor viel näher als Rapid dem 4:1. Speziell nach dem korrekten Gelb-Rot für Veton Berisha. Strebingers Superreaktion verhinderte das 3:2, dann traf ein Kracher von Coman die Latte, streifte ein Schuss von Sandu Benzar Aluminium. Das 3:1 ist alles andere  als ein beruhigender Vorsprung für Rapid, im Rückspiel kann noch alles passieren.  Ein Auswärtstor würde Rapid sehr, sehr gut tun.

Nach den Vorkommnissen rund um und während des Spiels ist aber jetzt auch das Präsidium gefordert, den Fancapos zu verklickern, dass es bei aller verständlichen Unzufriedenheit über das Abschneiden in der Bundesliga, über manchen unglücklichen Sager des Trainers, bei allem Recht zur freien Meinungsäußerung so nicht gehen kann. Egal, ob dies Krammer  höchstpersönlich übernimmt, was sicher das zielführendste wäre, oder er Klubservice-Chef Andy Marek vorschickt. 19.300 Zuschauer sahen das 3:1. Keines der vier Heimspiele seit der Abschiedsgala von Steffen Hofmann kam an die 25.000 Besucher vom 22. Juli heran. Wenn ein Play-off nicht ausverkauft ist, dann gibt das zu denken. Vor zwei Jahren kamen gegen Trencin 21.200, aber da war nach dem Hinspiel (4:0) alles entschieden. Nur zur Erinnerung: 2015, als es im Play-off um die Champions League gegen Schachtjor Donezk ging, war das Happel-Stadion mit 46.000 Zuschauern restlos ausverkauft. Auch damals war Urlaubszeit.

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