Fußball

Vom Geschäftsführer über Kapitän bis zum Tormann: Acht Anzeigen gegen Rapid als Derby-Nachspiel

Liga-Schlusslicht Austria Lustenau kann sich wenigstens über einen Sieg vor den FIFA-Instanzen freuen: Die wies die siebenstelligen Forderungen des portugiesischen Zweitligisten Santa Clara an Lustenau wegen Abwehrspieler Kennedy Boateng ab. Dass der deutsche Sportkoordinator Alexander Schneider mit Saisonende Lustenau verlässt, wird zu verkraften sein. Der LASK und Austria Klagenfurt müssen wegen Muskelverletzungen wochenlang auf Mittelfeldspieler Ivan Ljubic sowie Torjäger Sinan Karweina, den Führenden der Schützenliste, verzichten. Aber diese Probleme sind ein Klacks im Vergleich zu denen, mit denen seit Montag ein strahlender Sieger der letzten Runde, Rapid, aus eigenem Verschulden leben muss. Wegen der Videos mit verbalen Entgleisungen auf der Siegesparty nach dem 3:0-Derbytriumph gegen die Austria, die nur von der grün-weißen Fanszene Montag ins Netz gestellt werden konnten. Austria-Anhänger werden ja nicht dabei gewesen sein. Nach dem ersten entschuldigte sich Geschäftsführer Steffen Hofmann bereits bei der violetten Führungsgarnitur. Doch im Verlauf des Tages folgte weitere.

Daher folgte Dienstagvormittag eine kollektive grün-weiße Entschuldigung. Von Co-Trainer Stefan Kulovits, der zugab, in der Emotion mit dem Fangesang, der in absolutem Widerspruch zu den Werten des Vereins und seiner persönlichen stehe, einen großen Fehler gemacht zu haben. Kapitän Guido Burgstaller distanzierte sich von jeglicher Diskriminierung und Homophobie. Präsident Alexander Wrabetz und die Vizepräsidentin Edeltraud Hanappi-Egger stellten klar, dass die Verunglimpfung von Menschen bei Rapid keinen Platz haben soll. Also entschuldigte sich auch das Präsidium, kündigte an, diesen Eklat auch intern noch aufzuarbeiten. Ob Wrabetz Hofmann eine Nachdenkpause verordnen wird? Kaum anzunehmen. Weil das die grün-weiße Fanszene nicht akzeptieren würde.

Die wird seit Dienstagmittag über die Liga und ihren Vorsitzenden Christian Ebenbauer toben. Wegen der Videos zeigten sie den Klub, alle Funktionäre und Spieler, die darauf zu sehen sind, beim Strafsenat mit dem Vorsitzenden Manfred Luczensky und bekannten Juristen als Mitgliedern wie Universitätsprofessor Konrad Koloseus, Norbert Wess, Richter Rainer Graf, an. Weil die Vorbildwirkung von Funktionären, Trainern und Spielern über da Geschehen am grünen Rasen hinausgeht. Daher gibt es Verfahren gegen Rapid, Steffen Hofmann, Kulovits, Burgstaller, Marco Grüll, Tormann Niklas Hedl, Max Hofmann und Thorsten Schick. Sperren sind laut Liga möglich. Unbedingte Spielsperren wären aber ebenso übertrieben wie ein Punkteverlust, der im schlimmsten Fall drohen könnte. Zum Abschluss folgte eine Erklärung von ÖFB-Präsident Klaus Mitterdorfer, der beim Derby vor Ort im Allianz-Stadion war: „Dieses Verhalten ist mit Fair Play nicht vereinbar. Die Aussagen sind trotz sportlicher Rivalität und Emotionen inakzeptabel und völlig unangebracht!“

Das stimmt schon. Aber man kann trotz der aktuellen Appelle wieder Wetten darauf abschließen, dass es auch beim nächsten Wiener Derby, egal wann und wo es stattfinden wird, erneut Schmähgesänge und Beschimpfungen aus den Fansektoren von Austria und Rapid geben wird, die nichts mit Fair Play zu tun haben. Fakt ist, dass Rapid es geschafft hat, dass kaum noch über das Resultat geredet wird. Sondern über den Eklat, der auch in Deutschland medial zum Thema wurde. Nicht zur Freude von Grüll. „Schwulenfeindliche  Gesänge: Skandal um neuen Werder-Star“, titelte beispielsweise „Bild“.

Foto: SKRapid/Red Ring Shots/Daniel Widner.

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