Fußball

44 Minuten vor Mitternacht starb Rapids Hoffnung nach Nervenschlacht! Pyrrhussieg von Salzburg

Das Achtelfinale im Uniqa-Cup geht ohne Wiener Klub in Szene. Die letzte Hoffnung starb Mittwoch 44 Minuten vor Mitternacht im  Hütteldorfer Allianzstadion vor 20.400 Zuschauern, als Rapid um 23.16 Uhr das 1:2 (1:1,0:0) in der einminütigen Nachspielzeit der Verlängerung gegen Red Bull Salzburg in der Neuauflage des Endspiels der letzten Saison durch den Japaner Takumi Minamino kassierte. In einer Nervenschlacht, in der bot den Augen von Israels Teamchef mit Rapid-Vergangenheit, Andi Herzog, und Ex-Rapid-„Kampfgelse“ Stefan Kulovits schon alles danach aussah, als sollte sich Rapid mit nur noch neun Mann ins Elfmeterschießen retten können. Vom Respekt der glücklichen Sieger und dem riesigen Applaus von der Fantribüne kann sich Rapids nichts kaufen. Die Enttäuschung war gewaltig, denn Salzburg wäre ohne sein gefürchtetes Tormonster Erling Haaland zu erwischen gewesen. Für Salzburg war es aber auch ein Pyrrhussieg: Der Franzose Antoine Bernede erlitt einen Schienbeinbruch.

Rapids Trainer Didi Kühbauer wagte es nicht,  dem Meister mit offenem Visier zu begegnen, setzte auf Räume eng machen und kontern. Daher kehrte er zur Variante mit drei Innenverteidigern zurück, nahm Max Hofmann in die Mannschaft, agierte mit Fünferabwehr, in der  Filip Stokjovic als Rechtsverteidiger debütierte. Der Verzicht auf  Stephan Auer kam nach dessen letzten starken Leistungen unerwartet. Im Mittelfeld kam ohne den verletzten Thomas Murg nach dem  Einstand beim Derbysieg gegen Austria zum zweiten Mal der 18 jährige Dalibor Velimirovic neben Kapitnn Stefan Schwab und Dejan Ljubicic zum Zug, bewies wieder sein Können. Durch diese taktische Ausrichtung war Rapids Dreiermittelfeld  gegen Salzburgs 4-4-2 stets in numerischer Unterzahl. Es sah ab Mitte der ersten Hälfte fast nach einem Rückzugsgefecht aus. Obwohl Salzburg  Haaland fehlte. Er fuhr mit einem grippalen Infekt am Spieltag von Wien nach Salzburg zurück. Auf Max Wöber verzichtete Trainer Jesse Marsch. Egal, ob er ihm eine Pause gönnte oder dies wegen Wöbers Rapid-Vergangenheit tat: Es war die richtige Entscheidung. Wenn man die Transparente sah, die Rapids Fansektor trotz Wöbers Abwesenheit nach einer haben Stunde ausrollte, blieb ihm einiges erspart. Er wurde übelst beschimpft.  Skandalös, wenn man bedenkt, dass Rapid durch Wöber an die zehn Millionen Euro verdiente. Und es spricht nicht für die grün-weiße Führungsetage, dass sie dies zuließ. Das Argument von der Meinungsfreiheit zieht bei solchen Beschimpfungen gar nicht. Zu behaupten, nichts davon gewusst zu haben, ist wenig glaubhaft. Das war eine grün-weiße Schande!

Keine war es, wie gut sich die Mannschaft verkaufte. Sie antwortete auf die Salzburger Führung durch einen perfekten Freistoß von  Dominik Szoboszlai aus 17 Metern nach einem Foul von Max Hofmann an Patson Daka, das für den Rapidler keines war, fünf Minuten später mit dem Ausgleich. Mit dem ersten Tor des Japaners Koya Kitagawa nach Vorarbeit von Taxiarchis Fountas. 1:1 nach 56 Minuten, alles begann wieder von vorne. Vier Minuten später humpelte Kitagawa vom Platz, kam bei Salzburg statt des unauffälligen Haaland-Ersatz Sekou Koita mit Masaya Okugawa der zweite Japaner. Kitagawa und Okugawa klatschten ab. In der 65.Minute drehe sich das Match in Richtung Salzburg: Zunächst ein Stangenknaller von Velimirovic, dem auffälligsten Rapid-Feldspieler, bei dem Tormann Cican Stankovic gar nicht reagierte. Kurz darauf die zweite gelbe Karte für Schwab, die für eine Attacke an Zlatko Junuzovic völlig in Ordnung ging. Die erste sah Schwab nach einer Viertelstunde nach dem Zweikampf mit  Bernede, der für den Salzburg-Legionär schlimme Folgen hatte. Nach Rapid-Version sei es zum Bruch gekommen,weil Bernede selbst das Schienbein von Schwab traf.

Kühbauer verstärkte ohne Schwab die Defensive mit dem 19-jährigen Lion Schuster statt Fountas. Eine mutige Entscheidung, vielleicht sogar zu mutig. Denn es schien mitunter, als würden die Nerven dem Debütanten einen Streich spielen. Mit einem Mann weniger hielt Rapid Salzburg in Schach, weil dem Meister  gar nichts gegen eine Mannschaft einfiel, die sich am eigenen Strafraum verbarrikadierte, keine Räume für schnelles Umschalten ließ. Aber nach 90 Minuten kam der nächste Hammer: Gelb-Rot für Velimirovic für eine „Blutgrätsche“ gegen Salzburgs Kapitän Andrras Ulmer. Der „Schönheitsfehler“ dabei: In der Aktion übersah der steirische Referee Rene Eisner, der Marsch in den hektischen Phasen der zweiten Höfte Gelb zeigte, ein klares Foul von Salzburgs Joker Smail Prevljak, der Hofmann klar zurückhielt. Da hätte es Freistoß für Rapid geben müssen. Eisner ließ weiter laufen bis zur Attacke von Velimirovic.

Auch mit zwei Mann weniger kämpfte Rapid so aufopferungsvoll, dass Favorit Salzburg zwar fast nur in Rapids Hälfte spielte, aber bis zur 121. Minute zu keiner klaren Chance kam. Die nur deshalb zu Stande kam, weil zunächst Philipp Schobesberger bei einem Freistoß den Ball ins Niemandsland drosch, statt ihn in der Mannschaft zu halten. Vor dem entscheidenden Tor versäumte es Verteidiger Max Ullmann nach einer Flanke in den Strafraum, den Ball wegzuschießen, was möglich gewesen wäre. So entstand die Aktion zu Salzburgs Siegestor, das der Däne Rasmus Kristensen vorbereitete.  Die letzte Aktion des Spiels. Den Aufstieg bejubelten Salzburgs Spieler, die zum Teil  wie Junuzovic und Ulmer Selbstkritik übten („wir hätten uns in Überzahl die Sache leichter machen müssen“) samt Marsch und Sportchef Christoph Freund vor ihren wenigen mitgekommenen Fans so euphorisch, dass empörte Rapid-Anhänger Gegenstände auf sie warfen. Gehört sich auch nicht. Rapid bleibt nach dem bisher bittersten Abend in dieser Saison nur eine Option auf einen Europacupplatz: In der Meisterschaft unter den ersten vier landen.

Foto: Red Bull Salzburg.

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