Fußball

Der Absturz von Altachs Himmelstürmern: Nur Rapid war schlechter

Vergleiche zwischen den Bundesligen in Deutschland und Österreich sind zwar wegen der unterschiedlichen Voraussetzungen  ungerecht oder unangebracht, aber trotzdem mitunter interessant. Etwa, wenn man auf den 18.Dezember 2016 zurückblickt. Damals applaudierten in Österreich alle Altach: Nach 20 Runden sensationell Winterkönig, zwei Punkte Vorsprung auf Titelverteidiger Red Bull Salzburg, drei auf Sturm Graz, fünf auf die Austria. Zur gleichen Zeit waren in Deutschland fünf Runden weniger gespielt: Alles staunte über die Aufsteiger.  RB Leipzig sensationell punktegleich mit Bayern an zweiter Stelle, Freiburg im sicheren Mittelfeld Zehnter. Aber fünf Monate später gibt´s ein ganz anderes Bild: In Deutschland ist Leipzig weiter  Zweiter, zwar mit Respektabstand von 13 Punkten auf den erfolgreichen Titelverteidiger Bayern, aber damit erstmals in der Champions League, steht Freiburg vor der letzten Runde als Sechster völlig unerwartet sogar auf einem Europa League-Platz. Leipzigs Superspiel beim 4:5 gegen Bayern am letzten Samstag lieferte noch zwei Tage später Gesprächsstoff: Durch den  Wutanfall von Stefan Ilsanker, der nach dem Abpfiff am Rasen sein Trikot  zerriss, weil er sich vor Arjen Robbens Siegestor in der 95. Minute vom Holländer überlaufen ließ. Später in den Stadionkatakomben  tauschte er sein frisches Ersatzdress mit David Alaba. Durch die Kampfansage von Leipzig-Trainer Ralph Hasenhüttl: „Wir hätten mehr verdient als nur Sympathien. Wir sind näher gekommen und wir kommen wieder.“ Durch die Frage, warum Red Bull-Boss Didi Mateschitz bei seinem vierten Besuch in Leipzig erstmals nicht zur Mannschaft redete. Weder in der Kabine noch nachher beim Fanfest auf der Festwiese, wo er den Mannschaftsbus innen besichtigte.

Und Österreich? Von Altachs 1:2 gegen Sturm wird zwei Tage später keiner mehr reden. Nur, dass sie Altacher Himmelstürmer  brutal abgestürzt sind: Zwei Punkte Vorsprung verwandelten sich in 13 Partien zu 19 Punkte Rückstand auf Salzburg, sieben auf Austria, vier auf Sturm, die Chancen auf Europa stehen drei Runden vor Schluss schlecht. Heuer gewann Altach nur zwei Spiele, das letzte bereits vor mehr als zwei Monaten am 11. März mit dem 3:0 gegen Mattersburg, dem  einzigen Heimsieg in diesem Jahr. Anders als noch im Herbst ist das Schnabelholz-Stadion keine Festung mehr. Auch die Ladehemmung ist nicht zu sehen: 2017 nur 1e Tore erzielt, im Schnitt eines pro Match.

In sechs Partien erzielte Altach kein Tor, einmal sogar fünfmal hintereinander.  Man könnte sagen, vom Umfeld und den Möglichkeiten bestehen zwischen Altach und Salzburg so große Unterschiede wie zwischen Freiburg und RB Leipzig. Aber Freiburg machte trotzdem nur um fünf Punkte weniger als Leipzig, Altach hingegen 21 weniger als Salzburg. Mit elf  Zählern aus 13 Spielen hat  Altach derzeit die Bilanz eines Abstiegskandidaten. Genauso wenig unter machte heuer nur Schlußlicht Ried, einen weniger nur Rapid.

Warum nur, warum ist der Tiefgang in Altach passiert? Dass Salzburg im Winter Torjäger Dimitri Oberlin zurückbeorderte,  kann nur ein Mosaikstein im Negativtrend sein. „Wenn man im Winter Erster ist und am Ende nicht international spielt, muss dass eine Riesenenttäuschung sein“, gestand der verletzte Teamtorhüter Andreas Lukse. Niemand konnte von den Vorarlbergern verlangen, an der Spitze zu bleiben, aber der Rückfalls ist doch  zu heftig. „Die 42 Punkte vom Herbst waren ein zu großer Rücksack. So viele hatte Salzburg nicht einmal in Meistersaisonen“, glaubte Sprotchef Georg Zellhofer, der auch im Ausfall von Boris Prokopic ein Problem sah: „Er war in einer Superform, ohne ihn fehlen uns die tödlichen Passes in die Tiefe.“ Im Rückblick  glaubt Zellhofer auch, dass Altach im Herbst einige Spiele gewann, die man eigentlich nicht gewinnen durfte: „Jetzt lernen wir die andere Seite kennen.“ So sah es auch Kapitän Philipp Netzer, den es stört, wenn nur die Leistung okay ist, das Resultat aber nicht, wie er es nach dem 1:2 gegen Sturm bei „Sky“ gestand. Umgekehrt wäre es ihm lieber.

Eine bittere Bilanz  auch für Martin Scherb bei seinem Wiedereinstieg ins Trainergeschäft. Den Vorwurf, dass er im Winter alles umdrehte, was zuvor erfolgreich war, kann man ihm wirklich nicht machen. Aber die Ergebnisse passen halt trotzdem nicht. Nach den Gründen fragt einige Wochen später keiner mehr. Auch wenn es derzeit nicht modern ist, über Damir Canadi nach dem Scheitern bei Rapid etwas Positives zu sagen, kann man nach Altachs Absturz ohne ihn nur feststellen: Was er aus dem Vorarlberger Aussenseiter so alles herausholte, verdient jetzt noch mehr Respekt. Ob er sich dabei – beliebt machte oder nicht, muss völlig egal sein.

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