Fußball

In Mattersburg gilt nur die „Lex Pucher“

Sieben Trainer über die Sommerpause gewechselt, das macht Österreichs Bundesliga keine andere in Europa nach. Den Schlusspunkt nach Red Bull Salzburg, LASK, Wolfsberg, Austria, Sturm Graz und St. Pölten setzte am Sonntag Mattersburg. Seit Woche gab es  Gerüchte, wonach Klaus Schmidt (Bild oben) nicht mehr glücklich im Burgenland ist. Dass der 51jährige Steirer Kontakte nach St.Pölten knüpfte, die am Veto von Mattersburg-Boss Martin Pucher scheiterten. Jetzt setzte der konsequente Schmidt  lieber selbst den Schlusspunkt, als das Szenario rund um das Pappelstadion zur Kenntnis zu nehmen. Und das heißt: Es gilt nur die „Lex Pucher“. Was der 63jährige Boss sagt, das ist Gesetz. Wer sich damit nicht abfinde kann, der wird gegangen oder geht, wie es Schmidt und zwei Monate vor ihm Ex-Teamtorhüter Robert Almer als Sportchef tat, selbst. Weil sie selbst wenig Gestaltungsmöglichkeiten hatten, dem folgen mussten, was Pucher wollte.

Pucher übernahm am 10. Juli 1988 Mattersburg in der fünften Leistungsstufe. Führte den Klub in die Bundesliga, dort mit Didi Kühbauer als Zentralfigur nach der Rückkehr von Real Sociedad und Wolfsburg zu sensationellen Erfolgen. 2007 Platz drei, 2006 und 2007 im Cupfinale. Obwohl  Mattersburg nur knapp 7000 Einwohner hat. Da muss man den inzwischen 63jährigen Bankier, der die Commerzialbank Burgenland gründete, von 2005 bis 2009 Präsident der Bundesliga war, ehe er sich nicht mehr zur Wahl stellte, auch verstehen, dass er von seinem Lebenswerk nicht loslassen will oder kann. Auch wenn er seit vier Jahren gesundheitliche Probleme hat,

Wer das nicht akzeptiert, muss gehen. Die Verschleißliste  im letzten Jahr war groß:  Im August 2019 war Trainer Gerald Baumgartner nach einem 0:6-Heimdebakel gegen Wolfsberg. Geschichte. Da zählte es nicht mehr, dass er in der letzten Zehnerliga Mattersburg auf Platz sechs gebracht hatte. Ein halbes Jahr passierte dies auch Franz Lederer  nach 16 Jahren beim Klub. Co-Trainer, 347 Spiele als Trainer,  danach fünf Jahre Sportchef. Viele sahen ihn ihn als Sieger im Machtkampf gegen Baumgartner, trotzdem muss er Pucher verärgert haben. Heuer  schaffte Lederer als Trainer mit Draßburg den Titel in der Burgenlandliga. Ende April resignierte Almer in seiner Doppelfunktion als  Sportchef und Tormanntrainer. Begründete dies nach außen, dass ihm zwei Jobs auf einmal zu viel waren. Jetzt ist er Tormanntrainer beim ÖFB. Der wahre Grund  hinter dem Rückzug: Er durfte selbst praktisch nichts wichtiges entscheiden. Sonntag warf Schmidt trotz Vertrag bis 2020 das Handtuch. In der neunten Runde übernahm er Mattersburg zwei Punkte vor dem Tabellenende, nach 22 betrug der Abstand zum Schlusslicht schon zwölf. Er leistete mit dem souveränen Klassenerhalt gute Arbeit. Das in Hütteldorf verlorene Play-off gegen Rapid kann man einem Mattersburg-Trainer nicht anlasten. Schmidt wollte Puchers Personalentscheidungen nicht mehr mittragen. Wenn die Verträge von Spielern gegen seinen Willen verlängert werden, wie es in drei Fällen geschehen sein soll, dann besteht für einen konsequenten Trainer mit Charakter Handlungsbedarf. Bevor Schmidt Dinge tun musste, von denen er nicht überzeugt war, hörte er auf. Das entschied er nach eigenen Angaben schon vor drei Wochen und verdient Respekt.

Aber wie zuvor angedeutet, man muss auch Pucher verstehen. Denn es gibt das Minus von 16,5 Prozent bei den Zuschauerzahlen, mit 2801 Besuchern den zweitschwächsten Besuch in der Zwölferliga. Viele sagen, das eine Mannschaft, in der Burgenländer nur eine Nebenrolle spielen, bei den burgenländischen Fans nicht ankommt. Was durchaus stimmen kann. Offenbar konnte sich Schmidt mit er Vorgabe des burgenländischen Wegs, der da heißt, Spieler aus der Akademie hochzuziehen nicht ganz identifizieren.  Zumal die Vorzeigeakadmie, die alle loben, bisher sportlich zu wenig lieferte. Die große Ausnahme ist Tormann Markus Kuster. Auch Philipp Ehrhardt und Julius Ertlthaler kommen aus der Akademie, ohne große Stützen zu sein.

Jetzt sollen mehr Hoffnungen aus der Akademie in der Bundesliga zum Zug kommen. Etwa der 19jährige Abwehrspieler Michael Steinwender. Mit Franz Ponweiser machte Pucher den seit zwei Jahren amtierenden Akademiechef zum Nachfolger von Schmidt. Und zugleich zum Sportchef. Das gilt als Bekenntnis zum burgenländischen Weg.  Aber in Mattersburgs offizieller Verlautbarung zur Trennung von Schmidt stand auch,dass der 43jährige Ponweiser, der im Moment ebenso wie der neue Austria-Trainer Christian Ilzer und dessen Nachfolger bei Wolfsberg, Gerhard Struber, den Kurs zur UEFA-Pro Lizenz absolviert, bis auf weiteres Trainer sein wird. Das kann man interpretieren, wie man will. Ponweiser hat also bereits vor dem ersten Training, das er Dienstag leiten wird, irgendwie ein Ablaufdatum.

Foto: © FOTObyHOFER/Christian Hofer.

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