Fußball

Leverkusen demütigte Bayern: Xavi Alonso trickste Tuchel aus

Als Bayern München im letzten März in Leverkusen 1:2 verlor, musste Trainer Julian Nagelsmann danach gehen. Samstag saß Nagelsmann als Teamchef auf der VIP-Tribüne, als Meister Bayern in Leverkusen vom Tabellenführer beim 0:3 (0:1) gedemütigt wurde. Die bitterste Pleite für seinen Nachfolger Thomas Tuchel. Aus dem Pokal sind die Bayern schon ausgeschieden, jetzt droht die erste titellose Saison seit zwölf Jahren. Denn Leverkusen führt mit fünf Punkten Vorsprung, ist insgesamt schon seit 31 Spielen ungeschlagen. Aber Trainer Xavi Alonso wollte trotz Triumph gegen seinen Ex-Klub über Leverkusens ersten Meistertitel erst im Mai reden.

Jedenfalls trickste der Spanier Tuchel auch taktisch aus. Tuchel wollte das Leverkusen-Konzept mit drei Innenverteidigern und Fünferabwehr spiegeln und kopieren, ließ Joshua Kimmich und Thomas Müller eine Stunde auf der Bank. Aber Leverkusen spielte ganz anders. Mit Viererabwehr, ohne Mittelstürmer, zur großen Überraschung ohne Außenbahn-Turbo Jeremy Frimpong. Statt ihm spielte der gegen Tuchels Willen von Bayern an Leverkusen verliehene Josip Stanisic rechter Verteidiger. Ausgerechnet der Kroate erzielte nach 19 Minuten das Führungstor (Bild), bei dem Bayerns Winterkauf Sascha Boey ganz schlecht aussah. Er musste allerdings auf der für ihn ungewohnten Position als Linksverteidiger agieren. Fünf Minuten nach der Pause traf der Spanier Alex Grimaldo zum 2:0, die Entscheidung. Bayern blieb völlig harmlos, gab nur einen Schuss auf das Tor von Leverkusen ab. Von Harry Kane war nichts zu sehen. Als in der 95. Minute Tormann Manuel Neuer bei einem Eckball im Leverkusen-Strafraum auftauchte, fiel aus dem Konter da 3:0. Durch Joker Frimpong.

Im „Sky“-Interview machte sich der verärgerte Müller Luft: „Was mir fehlt von uns Spielern: Im Training zeigen wir deutlich bessere Ansätze. Weil wir da mutig und frei sind. Im Spiel fehlen teilweise die Eier“. Auch von Sportchef Christoph Freund kam Klartext: „Wir machen zu viele Fehler, auch mit dem Ball, kriegen zu leicht Tore, spielen keine klare Torchance heraus“. Zu Chancen, den Titel noch zu verteidigen, wollte er nicht schönreden: „Wir haben es nicht mehr selbst in der Hand!“ Ein Geständnis, das Freund in seiner Salzburg-Zeit nie ablegen musste. Besser als der deutsche machte es der spanische Meister: Real Madrid fertigte im Spitzenspiel das Sensationsteam Girona im Bernabeu-Stadion 4:0 (2:0) ab, hat fünf Punkte Vorsprung.

Für Österreichs in Deutschland engagierte Teamspieler war es bisher keine gute Runde: Marcel Sabitzer war Freitag mit Borussia Dortmund durch das 3:0 (2:0) gegen Freiburg (mit Michael Gregoritsch) der einzige Sieger. Dortmund blieb damit Vierter und auf einem Champions League-Platz. Im Kampf darum verlor Xaver Schlager mit RB Leipzig durch das 2:2 nach 2:1-Führung in Augsburg doch Terrain. Der belgische Teamstürmer Lois Openda vergab im Finish einen Elfmeter. Schlager spielte wie gewohnt durch, Nicolas Seiwald 23 Minuten, Christoph Baumgartner nur zehn. Ohne Sasa Kalajdzic kam Eintracht Frankfurt gegen Bochum (mit Kevin Stöger) nur zu einem 1:1 (1:1). Kalajdzic hatte sein großes privates Erfolgserlebnis: Er war im Krankenhaus bei der Geburt seines Sohnes. Max Wöber kam nach Lungenentzündung erstmals in diesem Jahr bei Borussia Mönchengladbach zum Einsatz. Aber es gab nur ein 0:0 gegen den Letzten Darmstadt, bei dem Stefan Lainer nicht zum Einsatz kam. Mönchengladbach ist in diesem Jahr noch ohne Sieg.  Zu Ende ging nach drei Siegen die Erfolgsserie von Marco Friedl und Romano Schmid mit Werder Bremen. Der nur 1,68 Meter große Schmid erzielte bei der 1:2-Heimpleite gegen Heidenheim per Kopf das Anschlusstor. Aufsteiger Heidenheim, als Fixabsteiger eingeschätzt, liegt derzeit zwischen Freiburg und Werder Bremen auf Rang acht im gesicherten Mittelfeld. Die größte Sensation der Saison. Ex-Austria-Trainer Nenad Bjelica durfte nach seiner Sperre bei Union Berlin wieder auf die Bank. Ohne den gesperrten Kapitän Christopher Trimmel gelang ein 1:0 gegen Wolfsburg (mit Österreichs Ex-Teamtormann Pavao Pervan). Damit gewann Union alle bisherigen Heimspiele unter Bjelica.

Foto: Bayern München.

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