Fußball

Querdenker Scharner, Belgiens Powertrio und Frankreichs Organisation

Auf Paul Scharners Visitenkarte steht unter seinem Namen sozusagen als Beruf Querdenker. Das kann man durchaus als originell bezeichnen. Querdenker Scharner teilt auch nicht ganz die Lobeshymnen, die derzeit der belgische Teamchef aus Spanien, Roberto Martinez genießt. Seine Heimat rief ihn, nach der  Weltmeisterschaft die Mission beim Nationalteam für die nächste Europameisterschaft anzutreten. Obwohl er seine Vertrag bei Belgien bereits bis 2020 verlängert, noch kein Spiel verloren hat, seit er  den Job im August 2016 vom entlassenen „Kampfschwein“ Marc Wilmots übernahm. Das spanische Thema hat sich inzwischen erledigt, weil seit Montag Luis Enrique, der ehemalige Trainer des FC Barcelona, der neue Teamchef ist.

Warum in Belgien die Wahl auf Martinez fiel, ist Querdenker Scharner bis heute rätselhaft. Mit ihm war er zwar mit Wigan 2013 sensationellst in Wembley gegen Manchester City Cupsieger geworden, aber auch aus der Premier League abgestiegen. Ehe er belgischer Teamchef wurde, musste er auch bei Everton vorzeitig gehen. Nach dem Coup gegen Brasilien im Viertelfinale hatte Martinez behauptet, er habe in seiner ganzen Trainerlaufbahn noch kein Match taktisch verloren. Auch dass kann Scharner in Erinnerung an gemeinsame Zeiten nicht nachvollziehen.

Dienstag steht Martinez (Bild oben rechts) mit Belgien im Semifinale gegen Frankreich und dessen Teamchef Didier Deschamps. Die Paarung hätten drei Wochen vorher wohl die wenigsten erwartet ebenso wie England gegen Kroatien am Mittwoch. Daher können Sonntag im Luschniki-Stadion zwei Teams das Endspiel bestreiten, die es zuvor noch nicht erreicht hatten, nämlich Belgien und Kroatien. Das Überraschungsemifinale mit insgesamt 39 Spielern aus der Premier League. 23 bei England, das ist wenig überraschend, zehn bei Belgien und fünf bei Frankreich, einen bei Kroatien. Martinez sorgte dafür, dass Belgien die Erwartungen anders als bei den den letzten zwei großen Turnieren, der WM 2014 in Brasilien und der EM 2016 in Frankreich, voll erfüllt, nicht mehr hinter den Erwartungen bleibt. Von allen Spielern der letzten Vier hat der belgische Strippenzieher in Dienste von Englands Meiste Manchester City,  Kevin de Bruyne gemeinsam mit Englands Kapitän Harry Kane den höchsten Marktwert, nämlich 150 Millionen Euro. Vom ganzen Kader her ist der französische Marktwert aber deutlich höher: 1,08 Milliarden gegenüber 754 Millionen. Ob das Dienstag Abend in St. Petersburg zu merken sein wird?

Frankreich – Belgien ist auch das Duell  von zwei herausragenden Torhütern, von Hugo Lloris und Thibault Courtois, Und eines von der Mannschaft mit der besten Organisation, die man der Equipe Tricolore nicht absprechen kann, mit der besten Balance zwischen Offensive und Defensive. Die hat mit ihrem Jungstar Kylian Mbappe und  N´Golo Kante auch herausragende Einzelkönner, aber nicht so ein Powertrio wie die roten Teufel aus Belgien: De Bruyne sorgt für Tempo, Kapitän Eden Hazard für überragende Dribblings, Sturmtank Romelu Lukaku ist ein Bulle, den man braucht. Das ist eine Kombinaton aus englischen Spitzenklubs, von Manchester City, Chelsea und Manchester United.

Und dann hat der Fußball-Intelektuelle Martinez, der sich durch die Philosophien von Johan Cruyff und Pep Guardiola inspiriert sieht, noch einen Franzosen-Kenner als Assistent an seiner Seite: Thierry Henry, gemeinsam mit Deschamps Weltmeister 1998 im eigenen Land sowie Europameister 2000 in Holland, half mit seiner Turniererfahrung laut Martinez mit,mentale Barrieren zu überwinden. Über das Duell mit seiner Heimat redet der in London lebende Henry nicht, das verbietet ihm ein Exklusivvertrag mit einem englischen TV-Sender. Nicht nur deshalb kann der inzwischen 40jährige Henry locker auf sein Gehalt als belgischer Co-Trainer verzichten. Er spendet die 8000 Euro, die er monatlich bekommt, wohltätigen Zwecken. Henry gilt als großes Vorbild für Mbappe: Der wuchs im gleichen Pariser Vorort Les Ulis wie Henry auf, machte so wie er über AS Monaco große Karriere, Schon mit 19 ins WM-Finale?

Foto: © FIFA.com.

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