Fußball

Stolz und angefressen: Die Gefühlsskala einer Mannschaft mit Charakter

Es gibt sie diese Momente, da will und kann man keine Komplimente mehr hören. Auch wenn sie aus deutschem Mund für die „Ösis“ kommen. So passierte Sonntag Abend rund um Mitternacht im Stadio Friuli von Udine. Stolz waren sie auf ihre Leistung beim 1:1 gegen Deutschland, wie es Abwehrchef Kevin Danso (Bild oben) formulierte, aber angefressen sassen sie in der Kabine. Weil die deutschen Titelverteidiger den Aufstieg ins Semifinale der U 21-Europameisterschaft und das Ticket für Olympia feierte, Österreich trotz besserer Spielanlage, größere Chancen mit leeren Händen da stand. Sich für viel Lob nichts kaufen konnte. Weil sowohl gegen Serbien als auch gegen Dänemark und Deutschland die nötige Effizienz fehlte und weil es das große Pech mit dem Knöchelbruch von Hannes Wolf gab. Und da war es gar kein Thema, dass eigentlich auch Max Wöber, Konrad Laimer und Valentino Lazaro fehlten, mit ihnen es wahrscheinlich bis nächsten Sonntag ein rot-weiß-rotes Sommermärchen gäbe. „Wir sind vielleicht an 20 schwachen Minuten gegen die Dänen gescheitert“, vermutete Teamchef Werner Gregoritsch, „aber die Leistung gegen Deutschland war schon etwas besonderes, weil wir Charakter zeigten. Das macht mich stolz.“ Da konnte keiner widersprechen, obwohl der Sieg fehlte.

„Bild“ meinte, nur Torhüter Alexander Nübel habe das deutsche Titel- k.o. verhindert. Mit Weltklassereaktionen gegen Sasa Kalajdzic und Husein Balic. Als er nur Kreisklasse war, hatte er das nötige Glück. Aber trotzdem hat sich Österreichs U21 in den Blickpunkt wie niemals zuvor gespielt. Da hielten Spieler von Admira und St.Pölten mit Millionenstars von Leverkusen, RB Leipzig, Monaco mit. Obwohl so ein hohes Tempo, so wenig Zeit bei der Ballannahme eigentlich mit Ausnahme der Legionäre und Xaver Schlager durch die Europa League mit Red Bull Salzburg für alle Neuland bedeutete. Sie bedauerten in der Kabine, in dieser Zusammensetzung wahrscheinlich nie mehr zusammenzuspielen. Das ist Fakt. Schlager ist schon fixer Bestandteil des Nationalteam, Kapitän Philipp Lienhart, Danso, nach seiner Verletzung sicher auch Hannes Wolf werden es bald sein Auch Tormann Alexander Schlager, Stefan Posch sind auf einem guten Weg dorthin. „Es gab samt Vorbereitung keinen internen Vorfall, der Ärger bereitete. Alle zogen immer an einen Strang“, bilanzierte Gregoritsch. Auch das kann ist nichts alltägliches. Platz sieben bei einter U21-Europameisterschaft hat Österreich nie davor geschafft.

Fünf Spieler dieser Truppe könnten vom Alter her weiter dabei sein, wenn im Herbst die nächste Qualifikation gegen England, die Türkei, den Kosovo, Albanien und Andorra mit Auswärtsspielen in Andorra und Tirana beginnt. Das sind Danso, Bremen-Legionär Marco Friedl, Dario Maresic,  Pechvogel Christoph Baumgartner und Wolf, der erst 2020 wieder einsatzfähig sein wird. Dazu noch Wöber, der nach seiner Knieoperation nicht zur Verfügung stand. 7000 österreichische Fans sangen nach dem 1:1 in Udine „immer wieder Österreich“, umjubelten ihre Helden mehr als die deutschen Anhänger ihre Aufsteiger. Das lässt die Hoffnung wachsen, dass künftig mehr Zuschauer als bisher zu den Heimspielen der U21 kommen werden. Nicht mehr unter tausend, sondern ab zweitausend aufwärts. Die erste „Chance“ dazu besteht am 11.Oktober gegen die Türkei. Nachwuchsteamchef Hermann Stadler hat im Frühjahr in Abstimmung mit Gregoritsch bereits zwei Tests der U20 organisiert, um die neue U 21 vorzubereiten. Die Gefahr, dass der ehrgeizige „Gregerl“ nach sieben Jahren und den drei größten Spielen seines Trainerlebens abhanden kommt, scheint nicht gegeben. Denn er ist mit seinen 61 Jahren nur an einem langfristigen Projekt interessiert: „Wer mich holt, bekommt einen, der gerade seinen Weg geht, sich nichts dreinreden lässt. Vielleicht kommt das nicht überall gut an.“

Foto: © ÖFB Media.

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