Fußball

Was die Trainersuche für Bickel so schwer macht

Bei Young Boys Bern und dem noch von ihm geholten Adi Hütter hätte es Fredy Bickel derzeit als Sportchef leichter als bei Rapid.  In Bern könnte Bickel mit dem Vorarlberger Trainer dessen dritten Anlauf zur Qualifikation für die Champions League, den zweiten in Bern, planen. „Fredy hat noch einiges zu tun,  er nimmt die Herausforderung bei Rapid  gerne an“, weiß Hütter aus den regelmäßigen Kontakten mit Bickel. Auch wenn der offiziell erklärte, er habe bisher noch mit keinem Trainerkandidaten bei Rapid konkret verhandelt, er ist mitten drin. Die Zeit zwischen nächsten Montag und dem Cupfinale am 1. Juni gegen Salzburg, die Bickel nannte,  ist viel zu kurz, um alles zu erledigen.

Bevor  Bickel Hütter verpflichtete, verhandelte er in Bern auch mit dem Holländer Fred Rutten. Der Name des 52jährigen Förderers von Marko Arnautovic bei Twente Enschede fiel bei Rapid nicht erst heuer, sondern bereits bei Bickels Vorgänger Andreas Müller. Der hatte Rutten von Enschede im Juni 2008 zu Schalke geholt, schaufelte sich damit aber selbst das Grab. Nach einer völlig verpatzten Saison musste Müller am 9.März 2009 gehen, Rutten zweieinhalb Wochen später. Dennoch schwärmte Müller auch in Hütteldorf immer von den Qualitäten des Holländers, der junge Spieler mit jedem Training besser machen könne, der nach Schalke drei Jahre bei Eindhoven unter Vertrag stand, dann bei Vitesse Arnheim, Feyenoord und zuletzt in Saudiarabien. Auch Bickel hat eine hohe Meinung von Rutten, aber er kennt dessen Preis. Darum wurde oder wird sein „Mister X“ nie zu einem ernsten Thema. Sehr zum Bedauern von Werner Ruttensteiner, dem Bruder des ÖFB-Sportchefs. Er arbeitet für die holländische SEG-Manageragentur, die Rutten unter Vertrag hat, aber in Wien keinen Abnehmer für ihn finden wird.

Bickel hat bei der  Trainersuche ein Problem, das eigentlich bereits vor seiner Bestellung im letzten Jahr am Tisch lag, das er durch ständiges Kommunizieren offenbar jetzt auch dem breiteren Rapid-Umfeld  bewusst gemacht hat: Die Verlassenschaft von Müller in Form von langfristigen und lukrativen Verträgen für Spieler, die bisher die Erwartungen nicht erfüllen konnten.  Die Trennung  kann Rapid nur teuer kommen: In dem man auf Ablöse verzichtet, damit die Verkaufs- Kandidaten einen neuen Klub finden und ihnen vielleicht noch eine Abfindung mit auf den Weg gibt. Andere Möglichkeiten, die Spieler zu bewegen, auf ihre Verträge zu verzichten,  wird´s nicht geben.  So dumm kann keiner sein, um freiwillig Grün-Weiß zu verlassen, auf Geld zu verzichten.

Der neue Trainer muss darauf vertrauen, den vorhandenen Kader besser machen zu können, damit Rapid wieder vorne mitspielt. Da braucht er schon viel Selbstvertrauen. Mit Didi Kühbauer zog einer von Bickels Kandidaten  bereits vor der Ära des Schweizers letzten  November beim sogenannten Hearing vor dem Präsidium gegen Damir Canadi den kürzeren, weil er meinte, diese Mannschaft habe zu viele Schwachpunkte, um große Ziele schaffen zu können, Rapid-Ansprüchen geerecht zu werden. Daran hat sich nichts geändert. Die Schwachpunkte gibt´s weiterhin. Von ganz hinten bis nach vorne. Auch in der nächsten Saison.

Rapid ist vom Namen und dem neuen Stadion her sicher eine reizvolle Adresse für Trainer. Vielleicht auch unter dem Motto, dass es eigentlich nur besser werden kann. Aber die Mannschaft so attraktiv zu machen wie das neue Stadion wird keinem gelingen. Egal wie er heißt.Ob Goran Djuricin, Kühbauer, Andreas Herzog, Oliver Lederer oder Urs Fischer. Selbst ein Antonio Conte, Jose Mourinho oder Carlo Ancelotti würden daran scheitern.

 

 

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER.

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