Fußball

Bitter, aber kein Drama: Nur Kalajdzic konnte extrem stolz sein

2016 begann Österreich die WM-Qualifikation mit einem 2:1 gegen Georgien und schaffte sie nicht. Ebenso nicht nach dem 2008 stürmisch umjubelten 3:1 gegen Frankreich, Vier Jahre zuvor waren alle mit einem 2:2 gegen England zufrieden, auf das einige Enttäuschungen folgten. Darum sollte man über das 2:2 (0:0) im Hampden Park von Glasgow gegen Schottland nicht zu enttäuscht sein, sicher kein Drama daraus machen. Man muss sich nicht genieren, auswärts gegen einen  Europameisterschafts-Teilnehmer nur einen Punkt gewonnen, zweimal eine Führung aus der Hand gegeben zu haben. Auch wenn es am Ende bitter war. Herbert Prohaska gab im ORF-Studio am Küniglberg vielleicht den richtigen Hinweis, als er sich an die letzte geschaffte Qualifikation in seiner Teamchefära erinnerte: Die begann 1996 mit einem 0:0 gegen Schottland. Im Happel-Stadion. Auch damals wurde darüber nicht gejubelt.

Auch am Matchtag mussten Teamchef Franco Foda  die Planungen nochmals ändern. Marcel Sabitzer war nicht einsatzfähig. Als Folge eines Schlags auf den Knöchel beim Abschlusstraining am Mittwoch. Für ihn kam Adrian Grbic zum Zug, dem aber gar nichts gelang. Somit begann mit Tormann Alexander  Schlager nur ein Spieler aus der heimischen Bundesliga mit zehn Legionären. Überraschend fehlte Salzburgs Kapitän Andreas Ulmer, auf seiner Position an der linken Flanke spielte David Alaba, machte für seine Verhältnisse ungewohnt viele technische Fehler. Dass drei Innenverteidiger begannen, kam nicht überraschend. Mehr schon der Platz für Florian Grillitsch im zentralen Mittelfeld neben Xaver Schlager. An der Aufstellung lag es aber nicht, dass zwei Punkte am Ende liegen gelassen wurden. Aleksandar Dragovic bestätigte im Abwehrzentrum, dass man sich auf ihn verlassen kann, auch wenn er in Leverkusen nicht spielt, Philipp Lienhart verlor kaum einen Zweikampf.

Es lag auch nicht an den Ausfällen. Zu behaupten, mit Martin Hinteregger hätte Österreich nicht zwei Tore aus Standardsituationen  bekommen, ist gewagt. Weil auch mit ihm Österreich schon Tore  nach Eckbällen oder Freistössen bekam. Dennoch waren beide ärgerlich. Weil sich bei Schottlands Ausgleich zum 1:1 weder Tormann Alexander Schlager noch Stefan Ilsanker nach einem Freistoß aus 46 Metern gut anstellten, den aufgerückten Innenverteidiger Grant Hanley zum Kopfball kommen ließen. Ilsanker hatte schon vorher Glück, dass seine Klammerattacke gegen Stürmer Lyndon Dykes nicht mit einem Elfmeter bestraft wurde. Schlager wird damit leben müssen, dass nach dem Match die Tormanndiskussionen weiter gehen. Wegen der Szene beim 1:1 und einer schrecklichen Szene vor der Pause, als sein fürchterlicher Fehlpass Schottland die Chance eröffnete, in Führung zu gehen. Aber da besserte er seinen Patzer selbst aus. Der Ausgleich zum 2:2 fiel nach einem abgewehrten Eckball, als der Ball wieder in den Strafraum flog. Der Fallrückzieher zum 2:2 (Bild oben) wird John McGinn von Aston Villa auch nicht oft gelingen: „Wir haben nicht schlecht verteidigt, wenig zugelassen, aber so dürfen die Tore nicht fallen. Beim zweiten hätten wir schneller raus rücken müssen, dann wäre McGinn im Abseits gewesen.“

Kritisieren kann man, dass es in der ersten Hälfte an Bewegung fehlte, dass es kaum zu Offensivaktionen kam. Wirklich stolz sein konnte von den Österreichern im Hampden-Park nur Sasa Kalajdzic. Sein drittes Länderspiel, das erste Beginn an, seine ersten Tore für Österreich. Gleich ein Doppelpack. Ein Tag, denn der Zweimeter-Riese nicht vergessen wird, mit dem er seinen internationalen Marktwert noch mehr steigerte.  Beim 1:0 war er zur Stelle, als Schottlands Tomann David Marshall einen Schuss von Grillitsch nur nach vorne wegschlug. Und zum 2:1 köpfte er eine Flanke von Stefan Lainer perfekt ins Eck. Das war Österreichs „Sieg“ beim Unentschieden: Man weiß, dass Kalajdzic auch in der  WM-Qualifikation der benötigte Knipser sein kann, für Tore gut ist. Wäre keine Überraschung, wenn Sonntag im Happel-Stadion gegen Färöer die Fortsetzung folgen sollte. Der Außenseiter schaffte  in Moldawien ein 1:1 nach 0:1-Rückstand zur Pause. Dass Dänemark nach dem 2:0 (1:0) in Tel Aviv gegen Israel Tabellenführer ist, zwei Punkte mehr hat, muss jetzt noch nicht beunruhigen. Weil Israels Defensivabteilung vor 5000 geimpften Zuschauern im Bloomfield-Stadium den Dänen bei ihren Toren durch Barcelona-Legionär  Martin Braithwaite und FC Kopenhagen-Stürmer Jonas  Wind zum Entsetzen von Teamchef Willi Ruttensteiner kräftige Hilfe leisteten. Wie Österreich begann auch Dänemark mit zehn Legionären. Schottland war an diesem Donnerstag  der bessere, robustere  Gegner als Israel.

Aufregung gab´am Spieltag nicht nur bei Foda, sondern auch bei Deutschlands Teamchef  Jogi Löw- Nicht wegen einer Verletzung, sondern durch einen positiven Corona-Fall. Jonas  Hofmann von Mönchengladbach musste abreisen und in Quarantäne. Ebenso Leipzig-Verteidiger Marcel Halstenberg. Bei ihm war der Grund eine Backgammon-Partie gegen Hofmann am Mittwoch.  Am Abend gab´s in Duisburg ein 3:0 (2:0) gegen Island mit dem Ex-Rapidler Arne Traustason. „Bild“ zeigte sich über die Pass-Gala bei Jogis erstem Abschieds-Sieg zufrieden.

 

Foto: UEFA.

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