Fußball

Der Wunsch zum Jahreswechsel: Ein würdiger Abschied für Steffen

Der Jahreswechsel gilt als Zeit für Neujahrswünsche und gute Vorsätze. Im Westen Wiens, bei Rapid. könnte man eines gleich mit dem anderen verbinden. Der Wunsch und Vorsatz für das Frühjahr 2018 muss heissen, mit Ehrenkapitän Steffen Hofmann stilvoller und würdiger umzugehen als es seit dem Sommer passierte. Nur fünf Einsätze in der Bundesliga über 174 Minuten und zwei im Cup über 134 sind nicht gerade das, was sich der 37jährige grün-weiße Rekordspieler auf Grund seiner 15 Jahre mit 534 Pflichtspielen, in denen er 127 Tore erzielte, verdiente. Die Rückennummer elf als ein Wahrzeichen. Der Fanblock ehrte ihn mit einer eigenen Fahne auf der Tribüne, Fanklubs luden ihn vor Weihnachten ein, verfassten, wie in Speising passiert, für ihn Gedichte, die ihn wirklich rührten. De Marketingstrategen wissen  noch immer, dass der Fußballgott der Fans bei p.r.-Terminen  als Gesicht Rapids ideal einsetzbar ist. Nur auf dem Rasen fehlt bei Trainer Goran Djuricin die Idee. Obwohl es Hofmann noch immer könnte, wie er es bei seinem Kurzeinsatz im letzten Spiel bei St. Pölten zeigte. Einige unnötige Dinge, die zum Zehnpunkte-Rückstand auf Platz eins führten, wären nicht passiert, hätte der Trainer Hofmann nicht so oft auf die Tribüne verbannt.

Was dabei besonders ärgert, ist das Faktum, dass mit einem Mann, der mit Rapid zweimal Meister war, einmal auch österreichischer Schützenkönig, in die grün-weiße Jahrhundertelf gewählt wurde, nicht ehrlich umgegangen wird. Im Frühjahr hieß die Marschroute, Hofmann könne sich aussuchen, ob er weiterspielen oder sich auf den Job als Talente-Manager konzenrieren wolle. Er entschied sich, aktiv zu bleiben. Offenbar nicht gerade das, was Sportchef Fredy Bickel und Djuricin wollten. Nur hätte sie das intern klar kommunizieren sollen, auch gegenüber Präsident Michael Krammer. Aber das passierte offenbar nicht. Die erste Verwunderung gab es schon beim verlorenen Cufinale in Klagenfurt, als Djuricin es zwar Hofmann vor dem Anpfiff gegen Salzburg auf dem Rasen überließ, die Mannschaft im Kreis nochmals verbal zu pushen, aber nicht ihn, sondern Andreas Kuen statt Louis Schaub eintauschte, als das Match bei 1:1 auf der Kippe stand. Als Fans nach der 1:2-Niederlage Djuricin darauf verwundert ansprachen, erwiderte er, für Hofmann sei das Tempo schon zu hoch,  An der Meinung hat sich offenbar nichts geändert. Auch wenn Djuricin noch am 25.Oktober auf „sky“ betonte, er würde  seinen Routinier am liebsten in jedem Match von Beginn an spielen lassen. Wenig glaubwürdig. Dazu kam die unselige Personalpolitik, die dazu führte, dass Rapid wieder zu viele Legionäre hat, mehr als die „nur“ sechs, die  wegen des Österreicher-Topfs am Spielbericht stehen dürfen. Den Tribünenplatz bekam meist Hofmann, obwohl er sicher mehr bewegen kann, wenn er von der Bank kommt als andere Ausländer, von denen fünf damit rechnen können, immer fix dabei zu sein. Was sich nur der brasilianische Innenverteidiger Lucas Galvao verdient.

Den ersten von zwei Derbysiegen im Happel-Stadion verfolgte Hofmann von der Fantribüne. Der Kontakt zwischen dem Publikumsliebling und den Fangruppen war schon intensiver als im Herbst. Hätte Hofmann dort einmal kund getan, wie er sich wirklich fühlt, wie sehr ihn manches ärgert, dann hätte es sofort einen Aufschrei und Unruhe gegeben. Aber so einer ist er nicht, also zog er sich eher zurück. Darum blockte er Interviewwünsche ab. Wenn er sagt, dass es für ihn diese Saison nicht lustig ist, man gerade ins seinem Alter einen gewissen Rhythmus und Spielpraxis benötigt, dann ist das schon viel. Die Aufgaben als Talente-Manager nimmt Hofmann übrigens auch ernst, macht laut Bickel einen guten Job. Sehr zu Freude mancher Hoffnungen, die noch mit der zweiten Mannschaft trainieren, in der Regionalliga spielen.

Wie kann es zum würdigen Abschied von Hofmann kommen? Eine Hoffnung bedeutet die Rückkehr von Thomas Hickersberger in Rapids Trainerteam. Der weiß noch aus Zeiten der Ära von Zoran Barisic, wie man Hofmanns Können als „Teilkraft“ vernünftig nützen kann. Sollte sich aber für Hofmann nichts ändern, dann wäre eigentlich der Präsident gefordert. So würdelos wie im Herbst darf es nicht weiter gehen, so darf einer wie Steffen einfach nicht aufhören.

 

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