Fußball

Die große Salzburger Leere: War der Fehler von Wolf nur Zufall?

Der Tag nach dem unfassbaren Scheitern von Red Bull Salzburg im Kampf um die Champions League: Die große Leere über die verhängnisvollen 77 Sekunden, in denen der 2:0-Vorsprung aus der Hand gegeben wurde, die bereits kurz nach dem Schlusspfiff begonnen hatte, ist noch größer geworden. Von Red Bull-Boss Didi Mateschitz über die Führungsetage mit Harald Lürzer, Stephan Reiter und Sportchef Christoph Freund, der feststellte: „Solche zwei Tore kassieren wir sonst nie.“ Und natürlich bei Trainer, Spielern, von denen Torjäger Munas Dabbur bei seiner Meinung blieb, wonach Salzburg zehnmal besser war, und auch der Fanszene. Einige Anhänger empfanden es als Wahnsinn und schweren Fehler, das Österreichs Meister so viele Karten an Fans von Roter Stern vergab, wissen von Bekannten, die mit einem Kind im Oberrang saßen, nach der Pause ihren Platz verlassen mussten, weil sie von Serben umzingelt waren und deren Verhalten bedrohliche Ausmasse annahm Andere wiederum fanden im Rückblick dass Trainer Marco Rose vermehrt auf mehr Erfahrung statt auf 19jährige Youngsters wie Patson Daka und Hannes Wolf hätte setzen sollen. Rose ahnte bereits Mittwoch Abend, dass jetzt einiges auf die Mannschafte und ihn einprasseln wird: „Aber wir marschieren weiter.“

Okay, Daka, den Rose wegen seiner Schnelligkeit aufbot, vergab zu Beginn zwei  Chancen,. Aber wäre ein andere zu denen überhaupt gekommen? Zur Verteidigung von Wolf, dessen Ballverlust vor dem Anschlusstor der Serben fatal war, trat Rose noch vor den Sky-Kameras an: „Er hat bis dahin ein gutes Spiel gemacht, den Elfer herausgeholt, die Bälle vorne fest gemacht, mit großer Laufarbeit viel gegen den Ball gearbeitet. Aber wir sind eine junge Mannschaft und da passieren auch Fehler.“ Aber gerade bei Hannes Wolf (Bild oben) stellt sich die Frage: War das nur ein Zufall? Den Ball in heiklen Situationen am Fuß vom eigenen Strafraum rauszuführen statt ihn auf die Tribüne zu schießen, kann man sich  in Österreichs Bundesliga erlauben. Da gelingt es meist problemlos. Aber solch aggressive Gegenspielern, wie es die Serben in diesem Moment waren, in dem sie mit voller Absicht noch mehr  Hektik ins Spiel brachten, war Wolf nicht gewohnt. Die Sitation überforderte ihn. War es nur das odeer doch mehr?

Der Steirer ist nämlich einer der ganz wenigen  beim Meister, bei dem man nicht mehr unbedingt das Gefühl hat, dass sie geerdet blieben, sondern etwas abhoben. Obwohl sein Vater einer der angesehensten Richter am Grazer Strafgericht ist, in der Vrgangenheit unter anderem den Prozess gegen Ex-Sturm-Präsident Hannes Kartnig leitete. Aber wenn sein Sohn Abwanderungsgedanken öffentlich macht, weil er im Frühjahr keinen Stammplatz hatte, daher sich dem mächtigsten deutschen Spielerberater Volker Struth und dessen Agentur Sportstotal, bei der  auch Champions League-Sieger Toni Kroos und Dortmund-Kapitän Marco Reus unter Vertrag stehen, anvertraute, dann denkt man sich seinen Teil. Auch wenn er zu Spielen von Österreich U 21 in einem schnittigen Coupe mit Stern kommt und sein Gehabe vermuten lässt, dass er sich schon für die Nationalmannschaft berufen fühlt, es unter seinen Würde sein betracht, beim Nachwuchsteam zu spielen. Diesen Verdacht könnte  Wolf demnächst glaubhaft entgegentreten. Denn er steht im Kader der U 21 für die EM-Qualifikationsspiele gegen Armenien und Gibraltar.

Wartet auf Salzburg ein mühsamer Herbst, wie es Sky-Experte Alfred Tatar prophezeite, weil der  Fußballgott nicht auf Seiten des Fußballs war? Er erinnerte sich auch an einen Spruch des verstorbenen Ligapräsidenten  Hans Rinner, wonach Siege die Seele nähren, aber Niederlagen den Verstand schärfen. Was soll aber Österreichs Meister wegen 77 katastrophaler Sekunden entscheidendes ändern? Ansonst stimmt ja die Marschroute. Dass wegen des Scheiterns bis zum Transferschluss am Freitag Stützen in eine der europäischen Topligen „flüchten“, ist nicht zu erwarten. Sosnt hätten Amadou Haidara und Diadie Samassekou ihre Verträge nicht erst verlängert. In der Winterübertritstzeit könnte sich punkto Angebot und Nachfrage wieder etwas bei ihnen tun, ebenso bei Stefan Lainer. Aber dann schaut die Welt auch wieder anders aus, wenn Salzburg die Gruppenphase der Europa League überstanden hat, was man durchaus erwarten kann und als souveräner Erster der Bundesliga überwintert. Etwas anderes ist trotz des schwarzen Mittwochs unvorstellbar. Man hätte nur viel lieber von Rose den Satz gehört, den Roter Sterns Trainer Vladan Milojevic überglücklich sagte: „Wir sind dort, wo der Klub auch hingehört: In der Champions League.“

Mit einem unerwarteten Doppelschag alles umzudrehen, das passiert mitunter.  24 Stunden vor Roter Stern in Salzburg gelang dies dem Schweizer Meister Young Boys Bern bei Dinamo Zagreb Eine Stunde klar überlegen, dann zwischen 64. und 66.Minute Doppelschlag des Franzosen Guillaume Hoarau zum unerwarteten 2:1. Damit steht der Ex-Klub von Adi Hütter als schwächere Mannschaft erstmals in der Champions League. Schweizer Medien ätzten Donnerstag, dass bei Red Bull Salzburg nur das Scheitern Tradition hat. Rose hat den Glauben an seine Jungs nicht verloren: „Ich habe das Gefühl, dass irgendetwas auf uns noch wartet, etwas ganz Grosses.“ Woran er da wohl dachte? Geht noch mehr als das Semifinale der Europa League? Bei der Auslosung am Freitag ist Salzburg in Topf eins gesetzt. Wie FC Sevilla, Arsenal, Chelsea, Leverkusen Dynamo Kiew, Zenit Leningrad, Besiktas Istanbul, Olympiakos Piräus, Villarreal und Lazio Rom. Duelle gegen Red Bull Leipzig mit seinen vielen Ex-Salzburgern oder Ex-Trainer Adi Hütter mit Entracht Frankfurt sind möglich.

 

Foto: © FC RB Salzburg Media (GEPA).

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