Fußball

In den letzten 90 Minuten von Stöger geht es um 30 Millionen

Die letzten 90 Minuten als Borussia Dortmund-Trainer Samstag in der Rhein Neckar-Arena von Sinsheim vor 30.000 Zuschauern gegen Hoffenheim. Und dann hat Peter Stöger wahrscheinlich zum vierten Mal eine von ihm geführte Mannschaft in den Europacup gebracht: Die Austria 2006 mit Frankie Schinkels und 2013 mit Manfred Schmid an seiner Seite in die Qualifikation zur Champions League, den 1.FC Köln letzte Saison nach 25 Jahren Pause in die Europa League. Wenn es Dortmund schafft, Platz drei gegen Hoffenheim zu halten, wozu ein Punkt und selbst eine Niederlage mit einem Tor Differenz reichen, oder auch Vierter zu werden, hat Stöger seine am 9. Dezember begonnene Mission erfüllt: „Wenn wir damals einer gesagt hätte, dass die Situation vor der letzten Runde so sein wird, wie sie sich jetzt darstellt, hätte ich es sofort genommen“, versicherte Stöger. Er zählt nicht zu den Menschen, die sich das Leben schlecht reden. Also sieht er die sechs Monate Dortmund als erfolgreich, wenn man bedenkt, dass er eine total verunsicherte Borussia auf Platz acht übernahm.

Er behielt die Nerven, als fast jeder, der sich dazu berufen fühlte, in den letzten Wochen Kommentare zu seiner Zukunft abgab. Wann er darüber reden wird, verschwieg er auf dezidierte Anfragen auch noch Donnerstag: Wenn es für ihn passend ist. Den Zeitpunkt dazu bestimmt er: „Ich seh´ alles nicht so schlecht und dramatisch, wie es unter dem Eindruck der schwachen Leistung bei der Heimniederlage gegen Mainz gemacht wird.“ Weil Dortmund alles noch selbst in der Hand hat, nicht auf fremde Hilfe angewiesen ist: „Es passt ja zu den vielen Schwankungen in dieser Saison, dass wir gegen Mainz nicht alles klar machten. Das wäre ja geradezu atypisch gewesen.“ Bei Stögers letzten 90 Minuten geht es für die Borussia um 30 Millionen Euro. Als so hoch schätz Boss Hans Joachim Watzke die Einbußen bei Verpassen der Königsklasse. Sogar die Tordifferenz kann das Millionenspiel entscheiden, an dem auch noch Leverkusen mit Österreichs Teamkapitän Julian Baumgartlinger, der seit zwei Partien im Abwehrzentrum seinen Mann stellt, beteiligt ist. Der hofft darauf, dass Dortmund nicht verliert und Leverkusen ohne seinen gesperrten besten Torjäger Kevin Volland mit einem Heimsieg über Hannover  an Hoffenheim vorbei auf Platz vier vorkommt. Wenn Hoffenheim und Leverkusen verlieren, würde Ralph Hasenhüttl mit RB Leipzig durch einem Sieg in Berlin gegen Hertha BSC Berlin noch in die Champions League kommen, Eine Niederlage in Berlin könnte sogar nur Platz neun und keinen internationalen Bewerb bedeuten,  wenn Eintracht Frankfurt (auswärts gegen Schalke), VfB Stuttgart (in München gegen Bayern beim letzten Heimspiel von Jupp Heynckes) und Mönchengladbach (in Hamburg) gewinnen.

Stöger muss in Hoffenheim seinen gesperrten griechischen Innenverteidiger Sokratis vorgeben. So könnte der 19jährige Franzose Dan Axel Zagadou erstmals seit dem Ausscheiden in der Europa League bei Red Bull Salzburg zum Zuge kommen. Auf die Frage nach seinem bisher schönsten Moment in Dortmund antwortete Stöger: „Ich hoffe und erwarte, dass er Samstag Abend kommen wird.“ Den erwartet auch sein Gegenüber Julian Nagelsmann, mit 30 der jüngste Bundesligatrainer. Der ja auch als Kandidat für Dortmund galt, aber von Mäzen Dietmar Hopp erst in einem Jahr die Freigabe bekommt: „Man sagt ja immer, dass ein wirklich guter Trainer auch eine Krise bewältigt haben muss. Mir ist das gelungen“. Zu Beginn der Rückrunde sah es noch gar nicht gut für Hoffenheim aus. Danach ging es aber steil nach oben. Ein Hoffenheim-Sieger dieser Saison kommt aus Österreich: Florian Grillitsch eroberte seinen Stammplatz im zentralen, defensiven Mittelfeld. Die Champions League wäre nicht nur das bisherige Highlight für Nagelsmann, sondern auch für den Niederösterreicher.

Wie es mit dem Duo Stöger-Schmid, dass seit fünf Jahren eigentlich nur für Erfolg stand, weiter geht? Stöger hat sich selbst eine Pause verordnet. Eine Aktion wie im Dezember, als er eine Woche nach dem Ende beim 1.FC Köln Ja zu Dortmund sagte, wird sich nicht wiederholen. Bei Schmid stellt sich die Frage, ob er mit Stöger einige Monate auf eine neue Herausforderung wartet oder erstmals einen Job als Chef übernimmt. In Wien bei Austria? Besuch in Köln vom violetten Sportchef Franz Wohlfahrt bekam er bereits vor einer Woche. Von Stöger hat Schmid  jedenfalls freie Hand.

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