Fußball

Jetzt kostet Adeyemi schon 40 Millionen Euro

Auch der „Technical Observer“ der UEFA erwies sich als Glücksbringer. Denn wie bei FC Salzburgs 3:1 gegen Wolfsburg hieß er auch beim 1:0 gegen FC Sevilla, dem ersten Aufstieg ins Achtelfinale der Champions League, Willi Ruttensteiner. Israels Teamchef aus Oberösterreich lobte Österreichs Meister als verdienten Sieger, sprach von einem beachtlichen Ausrufezeichen der jüngsten Mannschaft in der Königsklasse, kürte den Goldschützen Noah Okafor zum „man of the match“. Weil es für ihn eine große Willensleistung des Schweizers bedeutete, aus einer Verletzungspause zu kommen und soviel Aufwand zu betreiben.

Mit dem Schlusspfiff herrschte bei Salzburg der Ausnahmezustand. Was den Jubel und die Stimmung bei der folgenden Kabinenparty (Bild oben) betraf: „Wenn man die Gegner betrachtet, die wir bekommen können, sind wir noch immer ein  kleiner Klub in Europa. Der darf feiern, wenn er erstmals ins Achtelfinale kommt“, meinte Sportchef Christoph Freund. Daher sprach das dänische Energiebiebündel Rasmus Kristensen vom schönsten Tag in seiner bisherigen Karriere. Freund gab zu bedenken, dass  vor sieben Monaten drei der Sevilla-Bezwinger, Nicolas Seiwald, Luka Sucic und Benjamin Sesko noch bei Liefering das Saisonfinale der zweiten Liga bei Liefering  gegen Blau Weiß Linz bestritten. Unter Trainer Matthias Jaissle. Im Dezember stehen alle unter den letzten 16 der  Champions League. Eine Superentwicklung.

Mit Ausnahme der leeren Tribünen, auf denen die Angestellten der Geschäftsstelle um Stimmung bemüht waren, passte alles genau. Der entscheidende Treffer fiel eigentlich ganz nach dem Red Bull-Schema. Schnelles Umschalten, nur fünf Stationen.  Balleroberung durch Kapitän Andreas Ulmer, über Seiwald, Brenden Aaronson und Karim Adeyemi ging es weiter zu Okafor, der vollendete. Der 11,2 Millionen Euro teure Rekordkauf, den man in Salzburg Zeit ließ, um wirklich auf Touren zu kommen. Nie wurde er in den ersten eineinhalb Jahren „angezählt“, obwohl er zu lange zu diskret war. Die Geduld hat sich gelohnt. In Spanien schrieb die führende Sportzeitung „Marca“, dass es keine Enttäuschung für Sevilla bedeute, an Salzburg gescheitert zu sein, sondern ein Fiasko. Wenn man in einem Spiel, das man gewinnen musste, nur zu einer Torchance kam. Das kann aber auch an Salzburg gelegen sein.

Am Tag danach versuchte Jaissle die Ausnahmestimmung wieder zu beenden: „Es ist ja erst die Hälfte der Saison“, meinte er, „am Ende muss man vorne sein“. Aber wer soll in Österreich Salzburg am 16. Meistertitel  hindern? Niemand. Und alles, was in der Champions League noch kommt, wäre ein noch größerer Erfolg, sozusagen ein „Wunder“. Egal, was die Auslosung am Montag bringt,  gegen jeden der sieben möglichen Gegner, wäre Salzburg Außenseiter. Liverpool, Ajax Amsterdam und Bayern München haben alle sechs Gruppenspiele gewonnen, auch Manchester City, Freunds Wunschgegner Manchester United, Real Madrid und selbst Juventus in der Krise sind noch über Österreichs Meister zu stellen. Manchester United wegen der Person von Freunds Vorgänger Ralf Rangnick oder Real Madrid mit David Alaba hätten besonderen Charme. In München stellte Bayern-Star Thomas Müller fest, er wünsche sich wegen der kurzen Reisewege das Nachbarsduell, nicht weil er Salzburg als leichten Gegner einschätze. Noch nicht abzuschätzen ist, ob im Achtelfinale, in dem man wieder mit Max Wöber rechnen kann, Zlatko Junuzovic und Sekou Koita an Bord sein werden. Junuzovic ist derzeit zur Therapie seiner Fersenverletzung wieder im Ausland, die  mehr als dreimonatige Pause zehrt auch an seinen Nerven. Bei Koita verlief die Reha nach der Knieoperation bisher nicht optimal.

Um Adeyemi gab es Donnerstag  große Schlagzeilen im deutschen Massenblatt „Bild“. Mittwoch Abend versicherte er bei „Sky“, selbstverständlich das Achtelfinale im Salzburg-Dress zu bestreiten. Nicht einmal 24 Stunden später kam die Meldung, dass er einen Fünfjahresvertrag bei Borussia Dortmund unterschreiben wird, ab Juli 2023 zu den Spielern von Salzburgs Ex-Meistertrainer Marco Rose zählen wird. Die „kleinen“ Differenzen bei der Ablöse von fünf Millionen werden sich beseitigen lassen: Dortmund bietet für Adeyemi, der in Salzburg einen Vertrag bis 2024 hat, 35, Salzburg fordert 40. Das wäre er der neue Rekordverkauf, zehn Millionen teurer als Patson Daka, für den Leicester im letzten Juni 30 bezahlte.  Mit einem Winterwechsel würde es sich Adeyemi sogar verschlechtern: Mit Salzburg spielt er im Februar in der Champions League, mit Dortmund wäre es nur die Europa League.

 

Foto: Red Bull Salzburg.

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