Fußball

Tiroler Überraschung in Grün-Weiß und violette Übertreibung des Jahres

Altachs Sportchef mit Rapid-und Austria-Vergangenheit, Georg Zellhofer, verließ zehn Minuten vor Schluss das 320. Wiener Derby. Mit der Prognose, es werde nichts mehr passieren. Da führte Rapid im Happel-Stadion noch 1:0. Zellhofer sollte irren, er verpasste den späten Ausgleich in Violett nach 93:14 Minuten. Der sorgte gleich für die violette Übertreibung des Jahres. Indem der Austria-Platzsprecher den Schützen Lukas Rotpuller als Fußballgott bejubelte. Wollte er damit den Rapid-Fans eins auswischen, weil der von  ihnen seit  vielen Jahren als Fußballgott gefeierte Kapitän Steffen Hofmann nur aufwärmen durfte? Aber das änderte nicht am schwachen Gesamteindruck: Austria und Rapid zeigten beim ersten Spiel dieses Jahres  nur, warum sie diese Saison nicht um den Meistertitel  mitspielen  werden. Auch wenn nachher punkto Tempo und Niveau von beiden Trainern einiges schön geredet wurde,   wenn da in den ausstehenden 15 Runden nichts entscheidend besseres von den Traditionsklubs kommt, müssen sich wohl Salzburg und wahrscheinlich auch Altach um ihre Plätze eins und zwei keine allzugroßen Sorgen machen.

Austrias Trainer Thorsten Fink gab zu, dass beide Mannschaften mit dem ersten Spiel so ihre Probleme hatten: „Dem Spielverlauf nach lebt es sich mit dem Punkt ganz gut.“ Denn Austria fiel auch nach der korrekten gelb-roten Karte für den ungestümten Joelinton, der zuvor die Chance auf die 2:0-Führung ausließ, gegen zehn Rapidler von der 66 cymbalta 20 mg. bis zur 93. Minute spielerisch zu wenig ein. Von einer eingespielten Mannschaft muss da mehr kommen.  Das änderte sich erst mit Youngster Prokop, dessen Vater zum Rapid-Trainerteam gehört, ab der 76. Minute. Die größte Rapid-Überraschung gab es schon vor dem Anpfiff mit der Aufstellung. Dass die Wahl der Nummer eins im Tor für das Frühjahr  auf Tobias Knoflach fiel, sagten Trainer Damir Canadi und Tormannspezialist Helge Payer  Knoflach, Richard Strebinger und  Jan Novota bereits  letzten Montag. Sie begründeten dies mit dem größeren Potenzial, das Knoflach gegenüber Strebinger habe. Der sass im Derby nicht einmal auf der Bank, weil er nach der Entscheidung gegen ihn aufhörte, seine Rückenbeschwerden mit Pulvern zu bekämpfen. Da Novota Probleme mit der Schulter hat, war Christoph Haas von den Amateuren der Ersatz für Knoflach.

Aber die Sensation, die sich in den letzten Tagen im Training abzeichnete, hieß Andreas Kuen. Der 21jährigen Tiroler (Bild oben) aus Zams durfte als FAC-Kooperationsspieler eigentlich nur wegen der Ausfallsserie  mit ins Trainingslager nach Spanien, muss aber dort  und danach Canadi so überzeugt haben, dass er ihm den Vorzug gegenüber Islands Teamspieler Arnor Traustason gab, ihm zu seinem ersten Bundesligaeinsatz von Beginn an verhalf. Denn seit November 2013 verfolgte den talentierten Flügelspieler das Verletzungspech. Es begann noch bei Wacker Innsbruck mit einem Kreuzbandriss, ab Sommer 2014 kamen bei Rapid noch ein Kreuzbandriss, ein Muskelfaserriss und ein Meniskusriss dazu. Insgesamt versäumte er durch vier Operationen  21 Spiele in Innsbruck, 64 bei Rapid, fiel 597 Tage aus. Letzte Saison kam er bei Rapid zu zwei Kurzeinsätzen: Am 6. Februar 2016 beim 3:0 gegen Wolfsberg und am 15. Mai im letzten Spiel beim 3:1 gegen Admira in der Südstadt. Danach schickte ihn der damalige Sportchef Andreas Müller in die erste Liga nach Floridsdorf zum FAC, wo er auch wieder verletzt ausfiel, nur zu fünf Einsätzen über 211 Minuten kam.

Im Derby das erste Bundesligaspiel über die volle Distanz, in dem er mit einer perfekten Flanke auf Kvilitais Kopf das erste Derbytor des Georgiers vorbereitete. Das hätte fast zum Sieg gereicht. Kuen bestätigte so Canadis überraschende Entscheidung an der linken Flanke gegen den robusteren Traustason. Der Trainer  sprach in seiner Enttäuschung über zwei verlorene Punkte von einer ordentlichen Leistung,  weil man wenig Austria-Chancen zugelassen habe. Das stimmt. Aber kann die defensive Ausrichtung im 3-5-2, das Warten auf die Konterchance, auf Dauer die richtige grün-weiße Fußballphilosophie bleiben?  Rapids Devise darf nur agieren heißen, nicht reagieren. Auch wenn der  Ausschluss von Joelinton Austria half, man kann auch anders mit zehn Mann spielen als ohne Stürmer, mit einer Fünferabwehr und einen Viererkette davor nur noch die Bölle wegzuschießen. Canadi macht sich auch aus Ballbesitz nicht allzuvel. Dagegen ist nichts zusagen. Nur sind 31 Prozent wie im Derby für eine Mannschaft mit Ansprüchen wie Rapid schon eindeutig zu wenig. Auch wenn es beim 1:0 geblieben wäre.

Noch etwas gehört überdacht: Die Rolle von Louis Schaub als Stürmer.  Denn in der Derby-Startelf  Rapid ist er sicher der Spieler, der  seine Nebenleute am besten in Szene setzen kann, mit  Passes torgefährliche Szenen und Chancen kreieren kann. Als Stürmer ist er auf die Vorarbeit aus dem Mittelfeld angewiesen, kann sich ansonst nur mit Dribblings in Eins-zu Eins-Situationen helfen, wenn er in die überhaupt kommt. Kurzum, als Stürmer kommt erzu weniger Ballkontakten als wie bisher im offensiven Mittelfeld. Und das kann nicht gut für Rapid sein. Anderseits  ist die Rotgefahr beim unbeherrschten Joelinton im Mittelfeld wahrscheinlich noch größer wie als Angreifer. Seine Sperre  gegen Admira provoziert schon die Frage: Welche Überraschung  hat Canadi nächsten Samstag parat?

Foto: © FOTObyHOFER/CHRISTIAN HOFER .

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