Fußball

Wie sich die Sprache der Trainer veränderte

Adi Hütter, derzeit mit Eintracht Frankfurt in Florida auf Trainingslager, kam in einer Umfrage des deutschen Fussballmagazins „Kicker“ unter 214 Spielern nach dem Trainer der Herbstsaison mit 28 Prozent der Stimmen auf Platz zwei hinter Lucien Favre, dem Schweizer auf der Bank von Halbzeitmeister Borussia Dortmund. Der 51jährige Favre und der 48jährige Hütter bedienen sich bereits anderer Ausdrücke als die Trainer zu ihrer aktiven Zeit, sind damit meist verständlich. Aber auf dem aktuellsten Stand sind Favre und Hütter jetzt nicht mehr. Es tauchen immer neue Begriffe auf, die den Eindruck erwecken, als würde der Fußball ständig neu erfunden, sich zum Hexenwerk entwickeln. Den könnte man bekommen, wenn man etwa den deutschen Jungstar Julian Nagelsmann mit seinen 31 Jahren rund um Hoffenheims Spiele reden hört. Auch wenn man kein Problem mit neuen Worten hat: Gibt es wirklich ein System, das noch nicht gespielt wurde?

Bei Fortbildungskursen für Lizenztrainer tauchen auch stets neue Begriffe auf. Etwa die „Red Zone“.  Was das ist? So nennt man modern die Zone vor der letzten Abwehrreihe des Gegners, in der es richtig brennen soll. Vielleicht verkaufen auch nur manche, die in der Trainerausbildung tätig sind, etwas Altes als neu, um sich so eine Daseinsberechtigung zu schaffen. Wenn man von der Generation um Nagelsmann, den 33jährigen Domenico Tedesco, unter dem Schalke letztes Jahr Vizemeister wurde, der aber aktuell bei  Rang 13 als größter Absteiger der Saison gilt, oder den bei Paris St.Germain engagierten 45jährigen Thomas Tuchel als Konzepttrainer spricht, schütteln manche, die in den Zeiten davor ihre Erfolge hatten, nur den Kopf. Und die fragen dann wie etwa Felix Magath, der Wolfsburg zum Meistertitel führte, mit Bayern München zweimal das Double gewann, oder Otto Rehhagel, mit Griechenland 2004 in Portugal Sensations-Europameister: „Und wir haben immer ohne Konzept gearbeitet oder wie?“

Wer ganz früher als Allrounder, etwas später als flexibler Spieler bezeichnet wurde, heißt heute polyvalenter Spieler. Aus Marschroute und Spielidee wurde der Matchplan. Der Pass in die Tiefe oder Steilpass entwickelte sich zum Vertikalspiel. Aus dem Außenläufer oder Flügelspieler ein hoch stehender Außenverteidiger. Ein Tempo-Gegenstoß oder Konter heißt jetzt Umschaltspiel.  Ein Halbstürmer oder eine hängende Spitze gilt aktuell als Falsche Neun. Ein „Loch in der Abwehr“ ist jetzt die Schnittstelle. Hochmodern ist auch die abkippende Sechs für einen defensiven Mittelfeldspieler. Und das arbeiten gegen den Ball wird heutzutage immer sehr gerne angesprochen. Wobei sich die Frage erhebt, ob es nicht die bessere Lösung wäre, mit dem Ball zu arbeiten.

Mit Reden haben die Trainer noch nicht den Fußball verändert, sondern nur mit dem Trainieren. Dadurch stiegen Tempo und Athletik. Hütter hat heutzutage ganz andere Trainingsmöglichkeiten als früher etwa Otto Baric zu der Zeit, in der er mit Salzburg ins Finale des UEFA-Cups, in die Champions League kam und den Meistertitel holte. Heutzutage gibt es auch viel mehr Experten um die Mannschaft. Die Assistenten und Betreuer nennt man inzwischen übrigens „Staff“. In England entwickelt sich eine neue Unsitte: Da fahren die Mannschaften neuerdings mit zwei Autobussen zu den Spielern In einem sitzen die Spieler und der Trainer, im zweiten die Staff, die Mannschaft im Umfeld der Mannschaft. Die Berater, Fitnesstrainer, Physiotherapeuten, Social Media-Spezialisten, Videoanalysten etc.  Wahnsinn. Vielleicht sind es auch schon zu viele Spezialisten um die Mannschaft. Daher kann man durchaus der Meinung der Trainerlegende Arsene Wenger sein, die er nach 22 Jahren bei Arsenal aussprach: Es vergeht dadurch zu viel Zeit, um die Probleme in der Mannschaft zu regeln.

 

Foto: ZDF Sportstudio.

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