Fußball

Auf der Trainerbank fühlt er sich am wohlsten: Jetzt braucht Stöger einen Königstransfer

Dem deutschen Massenblatt „Bild“ war es eine Erwähnung wert, dass Austrias Sportvorstand Peter Stöger kommende  Saison auf die Trainerbank zurückkehrt. Borussia Dortmunds Boss Hans Joachim Watzke wünschte seinem Ex-Trainer via WhatsApp viel Glück, das er sicher brauchen wird, und Erfolg in der Doppelfunktion. Bei seinem ersten medialen Auftritt in der  Funktion als violetter General Manager für Sport am Samstag Vormittag in der Generali-Arena, den Stöger eloquent, kompetent und souverän absolvierte, bei dem er nie in Verlegenheit kam, spürte man förmlich: Jetzt ist er wieder in dem Metier, in dem er sich am wohlsten fühlt. Die Trainerbank, die Arbeit am Rasen taugen ihm sicher mehr als die am Schreibtisch. Die Freude merkte man auch, als er sich für die Fotografen auf die Austria-Trainerbank setzte (Bild oben).

Er hat es nie ausgesprochen, aber in Wahrheit störte es ihn doch, dass er sich in der ersten Saison als Sportvorstand auch vermehrt bei den Gesprächen mit Banken, Sponsoren, möglichen startegischen Partnern einbringen musste.  Mit der Rückkehr auf die Trainerbank steht beim 54 jährigen zumindest für eine Saison der Sport im Mittelpunkt. Der Trainerjob hat Vorrang gegenüber allen anderen Notwendigkeiten. Die Terminplan soll so ausgerichtet werden, dass er kein Training versäumt. So hat er sich das jedenfalls vorgenommen. Ausnahmen, wenn sich nicht alles vereinbaren läßt, können aber nur diese Regel bestätigen. Wenn er einmal fehlt, dann übernehmen die Assistenten das Kommando. Die glaubt er, bis Dienstag präsentieren zu könnten. Zwei Co-Trainer, denen er zutraut, selbst Chef zu sein, ein Athletiktrainee und einer für die Torhüter. Alle sollen Österreicher sein und zueinander passen, was ihm am wichtigsten erscheint. Alexander Bade, den er aus Deutschland bereits letztes Jahr mitbrachte, wird als Koordinator in der neuen Konstellation noch aufgewertet.

„Angst begleitet mich relativ  wenig“, stellte Stöger fest. Auch die Riesenerwartungen der Austria-Fans, die in ihm einen Messias auf der Trainerbank sehen, erschrecken ihn nicht: „Wir orientieren uns aber nur an Machbarem“, kündigte er cool an. Nicht alles sei letzte Saison falsch gewesen, man sei schon vieles angegangen: „Es ist immer schwierig, langfristige Planungen kurzfristig umzusetzen!“ Er versucht es. Etwas mehr Ruhe in das Austria-Haus zu bringen. Das sei nötig und ein Ding, das unter die Kategorie mit langfristig und kurzfristig fällt: „Ich kennen den Klub und seine Problematik!“  Mit positiven Ergebnissen käme sicher mehr Ruhe. Ein schlechter Saisonstart wie 2019 dürfe sich nicht wiederholen. Eien Mischung aus Ballbesitz und technisch gutem Fußball hat er im Hinterkopf, natürlich gehört auch das Pressing dazu: „Man soll nicht auf ein System reduziert sein!“ Wird bei ihm nicht passieren. An seinen bisher angewendeten Trainingsmethoden hält er sicher fest: „Warum sollte ich daran etwas ändern? Mit denen hat es auch in Deutschland geklappt! Wir werden auf die Spieler eingehen!“

Nicht nur wegen Covid fehlt der Austria die Planungssicherheit. Sollte es gelingen, noch heuer einen Investor als strategischen Partner zu finden und der personelle Vorstellungen haben wie es etwa bei Hertha BSC Berlin mit Lars Windhorst und seinem Wunsch nach Jürgen Klinsmann als Trainer passiert war, dann hätte Stöger keine Problem damit, nicht mehr General Manager zu sein, sondern „nur“ Sportvorstand. Darum ist das Comeback als Trainer vorerst nur für ein Jahr als aktuell beste Lösung anberaumt. Da ist er darauf eingestellt, abends später schlafen zu gehen und morgens früher aufzustehen, weil so viel zu erledigen sein wird.  Aktuell einmal, den Kader für die Vorbereitung ab 10. August zu formieren. Stöger erwartet, dass der verletzunsanfällige israelische Stürmer Alon Turgeman nach seinem Gastspiel bei Wisla Krakau bei Austria zumindest ins Training einsteigen wird. Bei Innenverteidiger Erik Palmer-Brown wird Geduld gefragt sein, Manchester City wird keine Eile haben, auf den violetten Vorschlag, den Leihvertrag zu den bisherigen Konditionen um ein Jahr zu verlängern, zu antworten. Gegen die dänische Mönchengladbach-Leihgabe Andreas Poulsen spricht, dass der Linksverteidiger mit seiner beim 0:0 in Hartberg erlittenen Schulterverletzung  noch monatelang ausfallen wird. Daher könnte außer Kapitän Alexander Grünwald noch einer aus Stögers Meistermannschaft aus der Saison 2012/13 dabei sein: Die Rückkehr von Markus Suttner nach Legionärsjahren bei Ingolstadt, Brighton und Fortuna Düsseldorf dürfte bevorstehen. Der 33jährige kostet keine Ablöse. Das ist wichtig.

Stöger hat eine Verjüngungskur im Sinn, ohne in einen Jugendwahn zu verfallen.  Was mit Patrick Wimmer und Dominik Fitz, der noch bis Ende September außer Gefecht sein wird, schon gut gelang, soll mit fünf neuen Gesichtern aus den Young Violets fortgesetzt werden, die sich in der Vorbereitung empfehlen können. Anwärter gibt es genug, geradezu eine „Armada“ von hoffnungsvollen Talenten zwischen 18 und 20 Jahren. Das Durchschnittsalter beim Zweitligisten beim letzten Saisonspiel am Freitag betrug nur 18,3 Jahre! Einer von ihnen, Aleksandar Jukic, kam als Jo schon auf zwei Einsätze in der Bundesliga.  Stöger weiß aber auch, dass der Austria jetzt wieder ein ähnlicher Königstransfer, der ihm vor acht Jahren mit Philipp Hosinger gelungen war, sehr gut tun würde. Torjäger Hosiner konnte von der Admira aber nur geholt werden, weil zuvor Innenverteidiger Georg Margreitter nach England zu Wolverhampton verkauft wurde. Die aktuelle violette Realität heißt hingegen: Es liegt beim General Manager kein Angebot für einen Austria-Spieler am Tisch. Aber die Transferzeit läuft noch bis Oktober.

 

Foto: FotobyHofer/Christian Hofer.

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